"Regretting Parenthood": Wenn Eltern ihre Kinder lieben - das Kinderkriegen aber bereuen

"Regretting Parenthood": Wenn Eltern ihre Kinder lieben - das Kinderkriegen aber bereuen

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20 Prozent der Mütter und Väter in Deutschland würden nicht noch einmal Eltern werden – auch wenn sie ihre Kinder lieben. Die Gründe sind ganz unterschiedlich.

Eine hitzige Debatte löste schon im vergangenen Jahr die Studie „Regretting Motherhood: A Sociopolitical Analysis“ der israelischen Soziologin Orna Donath aus. Sie hatte darin 23 Frauen interviewt, die zwar ihre Söhne und Töchter lieben. Aber doch ihre Mutterschaft bereuen. Vor allem unter dem Twitter-Hashtag #regrettingmotherhood tobt seitdem eine Diskussion, die wie so oft auch von Gehässigkeit und Unverständnis geprägt zu sein scheint.

Wie allerdings die repräsentative YouGov-Studie „Regretting Parenthood“ zeigt, ist dieses Phänomen nicht nur auch unter deutschen Müttern durchaus verbreitet – sondern in nahezu dem gleichen Maße auch unter Vätern. So sagen 19 Prozent der Mütter und 20 Prozent der Väter, dass sie keine Kinder mehr bekommen wollen würden, wenn sie sich noch einmal entscheiden könnten. Auch wenn man sich nur die Befragten anschaut, die angeben, ihr Kind bzw. ihre Kinder zu lieben – was ohnehin 95 Prozent der befragten Mütter und Väter tun –, ergeben sich kaum Unterschiede. Auch in dieser Gruppe würden sich 20 Prozent heute anders entscheiden – genau wie 15 Prozent der Eltern von „Wunschkindern“.

Aber woran liegt das? Die Studie zeigt gleich mehrere Gründe auf:

  • Für etwa die Hälfte der Eltern (52 Prozent) geht die Elternschaft zumindest manchmal mit einer Einschränkung der persönlichen Entfaltung einher. In der Gruppe derer, die sich heute nicht noch einmal für Kinder entscheiden würden, liegt der Anteil mit 74 Prozent noch einmal deutlich höher. Umgekehrt sagen 77 Prozent der Eltern, dass ihnen das Mutter- bzw. Vatersein Genugtuung bereitet – aber nur 63 Prozent der „bereuenden“ Eltern.
  • Eine große Rolle scheinen auch fehlende Betreuungsmöglichkeiten zu sein. Die werden grundsätzlich von zwei Dritteln der Eltern (64 Prozent) beklagt – und von 74 Prozent der Eltern, die sich heute anders entscheiden würden.
  • Zudem sagen 44 Prozent der Mütter und 20 Prozent der Väter, ihre Karriere wäre besser verlaufen, wenn sie keine Kinder gehabt hätten – insgesamt macht das 33 Prozent. Betrachtet man hingegen nur jene Eltern, die heute nicht noch einmal Kinder bekommen würden, steigt der Anteil auf 60 Prozent.

Auch die Familiensituation kann eine Rolle spielen - wen auch eine kleinere, als gedacht. Wer mit dem jeweils anderen Elternteil die Erziehung erledigt, würde sich heute etwas seltener (16 Prozent) gegen Kinder entscheiden, wer alleinerziehend ist, minimal häufiger (22 Prozent).

Insgesamt scheint es durchaus Verständnis für die von Orna Donath interviewten Mütter zu geben. Denn immerhin 54 Prozent sowohl der Gesamtbevölkerung als auch der Eltern kann es gut nachvollziehen, dass es Mütter gibt, die ihre Mutterschaft bereuen. Und fast genauso viele (52 bzw. 49 Prozent) stimmen zu, dass es durchaus möglich ist, die Mutterschaft zu bereuen und sein Kind bzw. seine Kinder trotzdem zu lieben. Anderer Meinung ist jeweils etwa ein Drittel der Befragten, der Rest machte keine Angaben.

Auf Basis des YouGov Omnibus wurden 2045 Personen im Zeitraum vom 15. bis 17. Juni 2016 repräsentativ befragt. 

Weitere Informationen zur Studie finden Sie hier, die Ergebnisse zum Download hier

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