Metaverse muss noch Überzeugungsarbeit leisten

Metaverse muss noch Überzeugungsarbeit leisten

Das Metaverse hält Einzug in den Alltag. Die Deutschen bleiben skeptisch – dabei birgt das virtuelle Universum durchaus Potenzial.

Im Zuge der Digitalisierung vieler Lebensbereiche geistert der Begriff Metaverse bereits seit Jahren durch das Internet. Dabei ist der Begriff selbst nicht eindeutig. So ist es diskutabel, ob es „das“ Metaverse eigentlich gibt, oder ob man nicht besser, ähnlich der Multiversum-Theorie, von Metaversen sprechen sollte. Unabhängig davon erfährt das Konzept der virtuellen Welten aktuell große Aufmerksamkeit. Und zahlreiche Unternehmen und Tech-Giganten sowie öffentliche und politische Instanzen fangen an, sich im Metaverse-Kosmos zu engagieren beziehungsweise drängen auf die Integrierung von Metaverse-Applikationen in Angebote und Alltagsabläufe.

Eine aktuelle YouGov-Umfrage hat ergeben, dass der Begriff Metaverse der Mehrheit der Deutschen weithin unbekannt ist und dass Kenner des Konzepts die Virtuelle Realität gegenwärtig insbesondere für Unterhaltungszwecke schätzen würden. Mithilfe unseres Zielgruppen-Segmentierungs-Tool YouGov Profiles haben wir die Präferenzen, Gewohnheiten und Kaufabsichten der Verbraucher analysiert, denen das Metaverse ein Begriff ist und konnten feststellen, dass das Verlangen nach Zeitersparnissen und Komfort die Akzeptanz von virtuellen Lösungen vorantreiben kann.

Metaverse – teilweise noch völlig unbekannt

Trotz viel Aufregung und Buzz in Tech-Kreisen und Online-Communities hat die Mehrheit der deutschen Verbraucher den Begriff Metaverse noch nie gehört und kann sich darunter auch nichts vorstellen. Nur knapp jeder fünfte Deutsche hat eine Vorstellung davon, was es mit dem Metaverse auf sich hat, Männer deutlich häufiger als Frauen und Jüngere mehr als Ältere. Doch auch bei Befragten, denen das Metaverse bekannt ist, muss für dessen Nutzung noch Überzeugungsarbeit geleistet werden. Etwas mehr als jeder Zehnte jener, die eine Vorstellung vom Metaverse haben, gibt an, schon einmal aktiv im Metaverse unterwegs gewesen zu sein. Hier sind es gegenwärtig besonders Spiele-Anwendungen und Chats in Virtual-Reality-Welten, die genutzt wurden.

Kontextuell ist das stimmig, da gerade Gamer und Gaming-Communities schon heute eher Erfahrungen mit Virtual oder Augmented Reality haben und daher weniger Berührungsängste bestehen sollten. Generell neigen die Deutschen dazu, das Metaverse als ideale Plattform für Veranstaltungen, Konzerte und Unterhaltung zu sehen. Etwas mehr als zwei von fünf Befragten können sich auch vorstellen, dass künftig Büroarbeit im Metaverse stattfinden wird. In den letzten zwei Jahren hat die Coronapandemie zu größerer Akzeptanz von Online-Veranstaltungen und virtuellen Arbeitslösungen beigetragen. Unternehmen, die planen, das Metaverse perspektivisch entweder als Arbeitsplatz oder als Plattform für das Angebot eigener Services zu nutzen, können hier gegebenenfalls von den digitalen Erfahrungen der Verbraucher während der Pandemie profitieren. Das Metaverse stellt, zumindest bei rudimentärer Nutzung der Möglichkeiten bei Online-Entertainment und virtuellen Meetings, nur einen weiteren Digitalisierungsschritt dar und erweitert im besten Fall die Möglichkeiten virtueller Kommunikations-, Interaktions- und Arbeitsräume. Perspektivisch handelt es sich dabei jedoch nur um einen Bruchteil der Möglichkeiten, die das Metaverse bieten kann.

Metaverse-Kenner schätzen digitale Lösungen

Schauen wir uns jene, die schon zum jetzigen Zeitpunkt eine Vorstellung vom Metaverse haben, genauer an, so zeigt sich, dass es sich hierbei um eine technisch versierte und interessierte Zielgruppe handelt, die eine große Offenheit und Akzeptanz gegenüber virtuellen Angeboten und digitalen Lösungen zeigt. So plant ein Großteil dieser Zielgruppe etwa, ein Virtual-Reality-Headset zu kaufen. Zwar ist der Zugriff auf Funktionen des Metaverse auch über den Browser oder den klassischen Desktop möglich, die Plattform Decentraland hat hierzu beispielsweise kürzlich eine App für Windows-Desktop veröffentlicht, doch richtig immersiv wird das Erlebnis erst mit der passenden VR-Ausrüstung.

Die bestehende Diskussion um die Leistungsfähigkeit aktueller VR-Lösungen sei hier einmal ausgeblendet. Die Zielgruppe steht digitalen, intelligenten Angeboten wie Kryptowährungen offen gegenüber und sieht in der digitalen Währung die Zukunft von Online-Finanztransaktionen. Für Online-Angebote und Produkte, die ihren Alltag einfacher machen, Zeit sparen und Komfort bringen, ist diese Zielgruppe gerne bereit, mehr Geld auszugeben und plant in den nächsten zwölf Monaten, etwa in intelligente Überwachungssysteme, Unterhaltungselektronik, Lautsprecher oder Küchengeräte zu investieren. Die Präferenz liegt demnach bei intelligenten Geräten und digitalen Angeboten, die das Leben erleichtern. Hier, neben Gamification und Play-to-Earn-Angeboten, bietet sich ein Anknüpfungspunkt für Marken an die breitere Masse der Verbraucher. Noch steht das Metaverse in der Anfangsphase, doch sind einige große Firmen – etwa Gucci, Disney, BMW und das Auktionshaus Sotheby's – als „First Mover“ mit dabei und sammeln jetzt schon wertvolle Erfahrung in der Präsentation der Marken im virtuellen Raum und den damit verbundenen Möglichkeiten der Kundengewinnung und -entwicklung.

Metaverse – eine Chance

Das Konzept Metaverse und Virtuelle Realität ist bei den Verbrauchern noch nicht richtig angekommen, doch die fortschreitende Digitalisierung des Alltags und die große Akzeptanz von intelligenten Geräten und digitalen Angeboten unter Technik-versierten und -interessierten Verbrauchergruppen dürfte über die Zeit zu einer breiteren Nutzung von Metaverse-Angeboten beitragen. Intelligente und digitale Angebote müssen in den Augen der Verbraucher das Leben einfacher machen, Zeit sparen und Komfort bringen. Das Metaverse könnte folglich für viele Zielgruppen eine passende digitale Erweiterung bereits genutzter Online-Angebote darstellen. Besonders, wenn denn die notwendige (leistungsfähige) Hardware für den voll-immersiven Zugriff weit genug Verbreitung findet. Noch stehen wir, gerade aus Verbrauchersicht, am Anfang der Entwicklung. In den nächsten Jahren wird sich zeigen, wie und ob sich das Potenzial des Metaverse entfaltet. Als Marktforscher bleiben wir am Puls der Verbraucher und sind gespannt, wie sich die Akzeptanz und Durchdringung weiter entwickeln wird.

 

So erschienen in der WirtschaftsWoche.

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