Vermögensungleichheit liegt zwischen Ideal und Schätzung

Vermögensungleichheit liegt zwischen Ideal und Schätzung
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Die reichsten 10 Prozent besitzen weniger, als die Mehrheit glaubt – aber mehr als die Mehrheit für ideal hält.

Die reichsten 10 Prozent der Deutschen besitzen laut den aktuellsten Zahlen des Bundessozialministeriums genau 51,9 Prozent des Nettovermögens. Aus Sicht des Durchschnittsdeutschen ist dieser Anteil zu hoch – aber nicht so hoch wie er dem Durchschnitt vorkommt. Das zeigt eine aktuelle YouGov-Umfrage.

Dabei wurden die Befragten gebeten, den Anteil am Gesamtvermögen zu schätzen, der auf das reichste Zehntel der Bevölkerung entfällt, sowie anzugeben, welchen Anteil sie für ideal sehen würden. Durchschnittlich gilt 36,9 Prozent des Vermögens als idealer Anteil, während die durchschnittliche Schätzung mit 66 Prozent deutlich höher liegt – und auch deutlich über dem realen Wert von knapp 52 Prozent. Allerdings liegen auch ziemlich genau ein Viertel der Schätzungen unter dem realen Wert, und knapp ein Viertel der angegebenen Idealvorstellungen darüber.

Interessant auch: Weder zwischen den unterschiedlichen Altersgruppen noch zwischen den Geschlechtern gibt es nennenswerte Unterschiede.

Während die heutige Vermögensverteilung trotz Kritik an manchen Details als relativ gesichert gelten kann, gibt es keinen hieb- und stichfesten Vergleich über mehrere Jahrzehnte hinweg. Fragt man allerdings die Menschen, glaubt eine große Mehrheit, dass verglichen vor allem mit der Zeit vor fünfzig Jahren das Vermögen heute ungerechter verteilt ist. Diese Menung haben 74 Prozent der Befragten, lediglich 9 Prozent sagen, die Vermögen seien heute gerechter verteilt als Mitte der sechziger Jahre.

Dass die Gegenwart, vergleicht man Sie mit dem Jahr 1916, wenigstens etwas besser abschneidet, dürfte wohl auch daran liegen, dass damals noch ein Kaiser im sich im ersten Weltkrieg befindlichen Deutschen Reich herrschte – und zum Beispiel der Adel noch als „Stand“ existierte. Und doch sind 54 Prozent der Befragten der Meinung, dass das Vermögen vor 100 Jahren weniger ungerecht verteilt war hals heute.

Ebenfalls im Januar wurde eine ähnliche YouGov-Umfrage in den USA durchgeführt. Dabei ging es zwar um die reichsten 1 Prozent der Amerikaner – doch das Ergebnis zeigt Parallelen zum Deutschen: Die Ungleichheit ist weit entfernt vom Idealzustand - wird aber gleichzeitig überschätzt.

Auf Basis des YouGov Omnibus wurden 1246 Personen im Zeitraum vom 26. bis 29. Januar 2016 repräsentativ befragt.

Foto: Martin Meissner/AP/Press Association Images

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