Mindesthaltedauer und Prämie für E-Autos als Chance für deutsche Autobauer

Mindesthaltedauer und Prämie für E-Autos als Chance für deutsche Autobauer

Die Prämie für E-Autos ist ein erfolgreicher Kaufanreiz. In den Augen vieler Verbraucher hat sie jedoch noch Verbesserungsspielraum.

Im Bestreben, die Klimaziele zu erreichen und die Verkehrswende zu vollziehen, spielt E-Mobilität für die deutsche Wirtschaft eine tragende Rolle. Elektro-Autos werden für Verbraucher realistischer, zumal die aktuell stark gestiegenen Benzinpreise mehr und mehr gegen die Verbrenner sprechen. Um den Kauf von Elektro-Autos für die Bürger attraktiver zu machen, bietet der deutsche Staat Förderprämien von bis zu 9.000 Euro an, die bei einer Mindesthaltedauer von sechs Monaten nicht zurückgezahlt werden müssen. Eine aktuelle YouGov-Umfrage zeigt jedoch, dass bisher nur knapp jeder vierte Deutsche Kenntnis von dieser Mindesthaltedauer hat. Ebenfalls jeder Vierte kann sich den Kauf eines E-Autos unter diesen staatlichen Rahmenbedingungen und innerhalb der nächsten zwei Jahre vorstellen.

Prof. Dr. Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management, meint zur bisherigen mehrheitlichen Unwissenheit über die Mindesthaltedauer, dass Autobauer und Händler noch Aufklärungsarbeit leisten müssten, „um den Kunden mit ins Boot zu holen“. Die Unternehmen könnten mit gezielten Informationskampagnen ihre Kundenansprache serviceorientierter gestalten, Vorbehalte abbauen und somit weitere potenzielle Käufergruppen erreichen.

Die Prämie soll ja eigentlich die Hemmschwelle zum Kauf senken und die Anschaffung eines Elektro-Autos finanziell attraktiver machen. Doch die Prämie steht auch an anderen Fronten in der Kritik, insbesondere bezüglich der hohen Kosten für die Steuerzahler und der fehlenden Kaufanreize von Seiten der Autokonzerne. Vielen geht die Mindesthaltedauer zudem nicht weit genug: Die Mehrheit der Befragten, insbesondere der älteren Zielgruppen, befürwortet eine Verlängerung der Mindesthaltedauer von sechs auf zwölf Monate. Das Konzept könnte dementsprechend nachgebessert werden, was auch von einer breiten Mehrheit getragen werden würde.

Wer sind die potenziellen Käufer?

Den Autokauf innerhalb der nächsten zwei Jahre unter Berücksichtigung der Prämie und der aktuellen Mindesthaltedauer scheint tendenziell gut gebildete, preisbewusste Verbraucher mit hohem digitalem Medienkonsum anzusprechen, wie eine Zielgruppenanalyse mit YouGov Profiles zeigt. Erwartungsgemäß bevorzugen die potenziellen Käufer im Vergleich zur Gesamtbevölkerung häufiger Tesla, aber auch traditionelle deutsche Autobauer, wie Audi, Volkswagen oder BMW sowie deren elektrische Varianten Audi-e-tron oder BMW i. Hierzu passt die Tatsache, dass sie häufiger als die Gesamtbevölkerung in Deutschland die Aussage treffen, nur Autos zu kaufen, die in ihrem Land hergestellt wurden.

Bei der Frage, welche Automarken von den potenziellen Käufern als am fortschrittlichsten hinsichtlich Innovation und Technologie wahrgenommen werden, machen deutsche Autokonzerne auch nicht die schlechteste Figur: Neben Tesla liegen Volkswagen, BMW, Audi und Mercedes-Benz auf den vordersten Rängen. Dieser Fokus auf den deutschen Automarkt sollte den Unternehmen als Ansporn dienen, die Entwicklung von weiteren E-Modellen für den heimischen Markt voranzutreiben. Die deutschen Autokonzerne befinden sich hier in einer idealen Lage: Kundenloyalität- und Bindung bestehen bereits und ein großer Teil der Zielgruppe mit festen Kaufabsichten bevorzugt deutsche Modelle.

Kaufprämie zahlt sich aus, kann aber noch mehr

Trotz Kritik und Raum für Verbesserungen hat sich die Prämie, auch unter Einhaltung der Mindesthaltedauer, als erfolgreicher Anreiz zum Kauf von Elektroautos bewährt, wie der Rekord bei den Förderanträgen im Jahr 2021 zeigt. Gezieltes Marketing mit Informationen über die Bedingungen der Prämie sowie zusätzliche Kaufanreize durch die Anbieter könnten diesen Trend noch verstärken. Der Kaufwille und das Vertrauen in deutsche Autobauer sind zumindest seitens der Verbraucher vorhanden.

So erschienen in der WirtschaftsWoche.

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