Die etablierte Oberschicht und die Modernisierungsverlierer stimmten mehrheitlich für Donald Trump

Köln, 19.01.2017. In einer Befragung unter wahlberechtigten US-Amerikanern im Anschluss an die US-Präsidentschaftswahlen 2016 ermittelte das internationale Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov das Wahlverhalten der Befragten. In Zusammenarbeit mit SINUS verdeutlicht eine vertiefende Analyse der Daten mit Hilfe des Gesellschaftsmodells der Sinus-Meta-Milieus, wie gespalten die amerikanische Gesellschaft ist. Während der zukünftige US-Präsident Donald Trump neben dem konservativen Establishment in hohem Maße die abstiegsängstliche Mitte und die Modernisierungsverlierer mobilisieren konnte, punktete Hillary Clinton im liberalen Intellektuellenmilieu und bei der jungen kosmopolitischen Elite.

Die Trump-Milieus und die Clinton-Milieus im Einzelnen

Die Analyse des Wahlverhaltens anhand des Sinus-Meta-Milieurasters zeigt folgende Milieu-Unterschiede zwischen den Wählern von Donald Trump und Hillary Clinton:

Drei Viertel (74 Prozent) der Traditionals haben Donald Trump gewählt. In diesem sicherheits- und status-quo – orientierten Milieu der „kleinen Leute“ hatte der neue Präsident den höchsten Wähleranteil. Es ist das älteste Milieu in den USA. Viele haben resigniert und das Gefühl, abgehängt zu sein.

Hillary Clinton dagegen erreichte die höchste Wählerzustimmung in den beiden Zukunftsmilieus. 72 Prozent der Adaptive Navigators, der jungen anpassungs- und leistungsbereiten Mitte der Gesellschaft und mehr als ein Drittel (69 Prozent) der Digital Avantgarde, der jungen, ambitionierten urbanen Kosmopoliten, haben Clinton gewählt.

Im gut situierten Milieu der Intellectuals hat Clinton mit 64 Prozent mehr als doppelt so viele Stimmen bekommen wie Trump mit 31 Prozent. Bei diesem Milieu handelt es sich um die aufgeklärte Bildungselite in den USA, mit liberaler Grundhaltung und postmateriellen Wurzeln.

Im konservativen, traditionell republikanernahen Oberschicht-Milieu der Established liegt Donald Trump – trotz Kritik an seinem teilweise rüpelhaften Auftreten – deutlich vor Clinton (59 Prozent zu 38 Prozent). In diesem Milieu zählen Leistung und Leadership ebenso wie Status und traditionelle Moral.

Eine ähnliche Verteilung zeigt sich im zahlenmäßig großen Modern Mainstream Milieu: Trump 58 Prozent, Clinton 35 Prozent. Es ist das klassische Milieu des „middle America“, in dem Familienwerte hoch gehalten werden und das nach gesicherten, harmonischen Verhältnissen strebt. Weil diese in der modernen Welt zunehmend weniger erreichbar sind, leiden viele an wachsender Überforderung und Abstiegsängsten.

Interessanterweise ist die amerikanische Unterschicht genauso gespalten wie das ganze Land. Im Milieu der spaß- und erlebnisorientierten Sensation-Oriented wählten mehr als die Hälfte (56 Prozent) Clinton und ein Drittel (33 Prozent) Trump. Bei den Consumer-Materialists, dem prekären, vernachlässigten und verbitterten Milieu der „American Poor“, ist es genau umgekehrt: 60 Prozent wählten Trump und nur 29 Prozent Clinton. In diesen beiden bildungsfernen Milieus war die Wahlbeteiligung erwartungsgemäß am niedrigsten.

Visualiserung des Wahlverhaltens der US-Amerikanischen Bevölkerung nach SINUS-Meta-Milieus

„Die Milieuanalyse der YouGov-Studie zeigt sehr deutlich die Gräben innerhalb der amerikanischen Gesellschaft“, sagt Manfred Tautscher, Geschäftsführer bei SINUS. „Und wir sehen, bei welchen Milieus populistische Argumente auf fruchtbaren Boden stoßen und welche Milieus immun sind gegen postfaktische Propaganda. Ähnliche Entwicklungen beobachten wir in Europa und speziell auch in Deutschland. Die entscheidende Frage im jetzt anstehenden Wahljahr wird sein, wem es gelingt, die verunsicherten Milieus der Mitte zu erreichen. Dabei gilt es, rechtzeitig die sogenannten ‚Brücken- oder Scharnier-Milieus‘ zu identifizieren und diese dann mit den richtigen Argumenten anzusprechen. Das wird am Wahltag über Erfolg oder Misserfolg entscheiden“.

„Die Nutzung der umfangreichen YouGov Daten zum Beispiel durch YouGov Profiles in Kombination mit den Sinus-Meta-Milieus bietet die Möglichkeit, die tiefen Gräben zwischen den Wählergruppen zu analysieren und zu veranschaulichen“, sagt Holger Geißler, Head of Research bei YouGov. „Eine reine soziodemographische Betrachtung in der Analyse, wie auch in der Mediaplanung, greift dafür viel zu kurz. Mit dem vorliegenden umfangreichen Datenmaterial bieten sich äußerst vielversprechende Möglichkeiten.“

Pressecharts können unter folgendem Link heruntergeladen werden:

https://yougov.de/pressecharts_PVPE

Für weitere Informationen zur Studie und den Sinus-Milieus wenden Sie sich bitte an den Pressekontakt.

Über die Studie

Die Studie President Vote Post Election von YouGov basiert auf einer landesweiten Befragung unter 1.503 wahlberechtigten US-Amerikanern, und wurde die im Nachgang zur US-Wahl zwischen dem 9.11.2016 und 13.01.2017 durchgeführt. Die milieuspezifische Analyse der Ergebnisse entstand in Kooperation zwischen SINUS und YouGov.

Über die Sinus-Meta-Milieus

Die Sinus-Meta-Milieus gruppieren Menschen, die sich in ihrer Lebensauffassung und Lebensweise ähneln. Mit diesem Ansatz kann man die Lebenswelten der Menschen gleichsam „von innen heraus“ verstehen, und man erfährt, was die Menschen bewegt und wie sie bewegt werden können. Sinus-Meta-Milieus gibt es heute für 44 Länder – für entwickelte Länder (Established Markets) ebenso wie für Schwellenländer (Emerging Markets).

Pressekontakt:

YouGov Deutschland GmbH
Philipp Schneider
Manager PR
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E-Mail: peter.mannott@yougov.de

SINUS Markt- und Sozialforschung GmbH
Manfred Tautscher
Geschäftsführer
Tel.: +49 (0) 6221 8089-70
E-Mail: manfred.tautscher@sinus-institut.de

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