Verpackungssteuer auf Einwegprodukte – Reaktionen der Deutschen gemischt

Samira NehlsJunior Research Executive
April 03, 2025, 7:35 vorm. GMT+0

Einwegbecher, Pizzakartons und Co. – immer mehr Städte in Deutschland prüfen eine Steuer auf Einwegverpackungen. Doch wie steht die Bevölkerung zu dieser Maßnahme?

„Einmal zum Mitnehmen bitte“ – dieser Satz ist für viele ein täglicher Begleiter und steht für den zunehmenden Konsum von Einwegverpackungen. Doch während der Genuss von Take-away-Mahlzeiten und Getränken zwar praktisch bleibt, wächst die Belastung für die Umwelt. Viele deutsche Stadtbilder sind von weggeworfenen Einwegverpackungen geprägt: Kaffeebecher zieren die Gehwege, Pizzakartons landen in den Parks, und Burgerverpackungen stapeln sich auf Grünanlagen.

Während es in Deutschland hierfür jedoch bislang keine bundesweite Lösung gibt, gehen immer mehr Städte, wie Tübingen oder Konstanz, mit lokalen Maßnahmen voran, um den Verbrauch von Einwegverpackungen zu verringern und die Nutzung von Mehrweglösungen zu fördern: die Einführung einer Verpackungssteuer auf Einwegverpackungen, -geschirr und -besteck für Speisen und Getränke zum sofortigen Verzehr oder zur Mitnahme. Und immer mehr Städte könnten sich bald anschließen. Doch wie steht die Bevölkerung zu dieser Maßnahme? Und wie unterscheiden sich Befürworter und Gegner einer Verpackungssteuer?

Gemischtes Bild in der deutschen Bevölkerung

Eine aktuelle Umfrage von YouGov Surveys aus Februar 2025 mit 5.693 Teilnehmenden zeigt, dass die Idee einer Verpackungssteuer auf Einwegprodukte in der Bevölkerung auf unterschiedliche Reaktionen stößt. Unabhängig von der Höhe der Steuer befürworten 43 Prozent der Befragten grundsätzlich eine solche Maßnahme. Auf der anderen Seite lehnen 46 Prozent die Einführung der Steuer ab, während 11 Prozent keine Angaben dazu machen.

Ein Blick auf die Befürworter und Gegner der Verpackungssteuer zeigt deutliche Unterschiede in der Altersstruktur. Bei den Befürwortern beträgt der Anteil der über 55-Jährigen 39 Prozent, während er bei den Gegnern 30 Prozent ausmacht. Auch die Erwerbstätigkeit und der Lebenszyklus weisen auf eine überwiegend ältere Befürworter-Gemeinschaft hin, mit einem überproportional großen Anteil von 42 Prozent an Senioren und Empty Nestern (vs. Ablehner: 33 Prozent). Im Gegensatz dazu liegt der Anteil junger und erwachsener Familien bei den Gegnern bei 34 Prozent und bei den Befürwortern bei 27 Prozent.

Einwegsteuer-Befürworter kennzeichnen sich durch umweltbewusste Konsumgewohnheiten

Laut Daten aus YouGov Profiles machen sich mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Unterstützer der Verpackungssteuer generell Gedanken über die Umweltauswirkungen ihrer Lebensmittelwahl. Zum Vergleich: Nur 19 Prozent der Gegner teilen diese Einstellung. Dies zeigt sich auch darin, dass drei Viertel (75 Prozent) derjenigen, die eine Einwegsteuer befürworten, angeben, dass Nachhaltigkeit und die Auswirkungen auf die Umwelt (sehr viel) Einfluss auf ihre Kaufentscheidungen haben – bei den Gegnern sind es nur 44 Prozent. Auch die Bedeutung des Essens im Alltag variiert: Während 54 Prozent der Befürworter das Essen als einen wichtigen Bestandteil ihres Lebens betrachten, sind es bei den Gegnern lediglich 47 Prozent. Zudem zeichnen sich die Befürworter durch ein besonders bewusstes Einkaufsverhalten aus, etwa indem sie beim Einkaufen häufiger Etiketten und Inhaltsstofflisten lesen. Die wichtigsten Kriterien, die die Befürworter bei ihrer Lebensmittelwahl berücksichtigen, sind der Zuckergehalt (51 Prozent, im Vergleich zu 37 Prozent der Gegner), die Frische (49 Prozent, im Vergleich zu 41 Prozent der Gegner) und die regionale Herkunft der Produkte (46 Prozent, im Vergleich zu 27 Prozent der Gegner). Auffällig ist außerdem, dass in der Gruppe der Befürworter ein deutlich höherer Anteil an Flexitariern und Anhängern pflanzlicher Ernährungsweisen zu finden ist.

Gemeinsame Essgewohnheiten bei Außer-Haus-Konsum von Befürwortern und Ablehnern

Obwohl das Thema Ernährung bei den Befürwortern der Verpackungssteuer insgesamt eine größere Bedeutung im Alltag spielt, zeigen sich interessante Parallelen zwischen den beiden Gruppen, wenn es um ihren Konsum von Take-away- oder Außer-Haus-Lebensmitteln geht. Die Unterschiede sind dabei weniger ausgeprägt, als man zunächst vermuten könnte. So geben beide Gruppen an, in ähnlichem Maße To-Go-Kaffee zu konsumieren: 25 Prozent der Befürworter holen sich mindestens einmal pro Woche ihren Kaffee „to go“, während es bei den Gegnern mit 29 Prozent nur leicht mehr sind.

Auch bei Bestellungen zur Lieferung oder zum Abholen aus Restaurants bestehen keine großen Unterschiede. 22 Prozent der Befürworter nutzen diesen Service mindestens mehrmals im Monat, während 23 Prozent der Gegner genauso häufig auf Liefer- oder Abholservices zurückgreifen. Was Restaurantbesuche angeht, sind die Befürworter etwas häufiger unterwegs: Rund ein Drittel (32 Prozent) besucht mindestens mehrere Male im Monat ein Restaurant, während der Anteil bei den Gegnern bei 25 Prozent liegt.

Trotz ihres ähnlichen Konsums von Take-away und Außer-Haus-Essen sind die Befürworter der Verpackungssteuer bereit, diese grundsätzlich zu unterstützen. Dies verdeutlicht, dass ihre Entscheidung weniger von praktischen Gewohnheiten abhängt, sondern vielmehr von ihrem Umweltbewusstsein.

Diese Analyse wurde auf Grundlage von Daten aus dem Zielgruppensegmentierungstool YouGov Profiles durchgeführt - einer ständig wachsenden Daten-Quelle mit mehr als 2 Millionen Datenvariablen von mehr als 27 Millionen YouGov-Panelisten weltweit. Datensatz vom 23.02.2025.