Warum der Schulz-Zug vorerst auf dem Abstellgleis hält

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SPD im YouGov-Längsschnittpanel

Köln, 20.06.2017. Viele Wahl-Umfragen zeigen: der Aufschwung der SPD vom Beginn des Jahres verpuffte inzwischen. Eine aktuelle Auswertung eines Längsschnittpanels des Markt- und Meinungsforschungsinstituts YouGov zeigt, welche potenziellen SPD-Wähler seit dem Februar 2017 ihre Wahlabsicht geändert haben und warum.

Fast ein Viertel (24 Prozent) derjenigen, die im Februar die SPD wählen wollten, würden seit April/Mai nun eine andere Partei wählen oder sind mit ihrer Entscheidung unsicher. Die sogenannten Wechsler zweifeln an der Lösungskompetenz der SPD und an der Eignung des Kandidaten. Nach der Anfangseuphorie durch die Benennung von Martin Schulz als Kanzlerkandidat verloren inzwischen sowohl der Kandidat als auch die Partei Vertrauen bei den Wählern.

Insbesondere in den Kernfeldern der Sozialdemokratie – Arbeit und Beschäftigung, Soziale Sicherung und Gesundheit – verliert die SPD deutlich an Zuspruch. In allen drei Kompetenzfeldern hat sich bei den Wechslern die Anzahl derer, die der SPD die größere Lösungskompetenz zusprechen, um jeweils rund 40 Prozent verringert. Und beim Thema Innere Sicherheit glauben nur noch 19 Prozent der Wechsler, dass hier die SPD die größte Lösungskompetenz besitzt. Im Februar waren es noch 44 Prozent. Die Zustimmung für den Kanzlerkandidat Schulz sank im selben Zeitraum bei den Wechslern von 65 auf 36 Prozent.

Bei den SPD-Treuen schrumpfte die Zustimmung nur um 7 Prozentpunkte. Hier genießt Martin Schulz im April/Mai immerhin noch eine Zustimmung von 73 Prozent. Sowohl bei den SPD-Treuen (-15 Prozent) als auch bei den Wechslern (-16 Prozent) ist die Erwartung deutlich gesunken, mit dem Ausgang der Bundestagswahl zufrieden zu sein.

Vor allem Frauen wenden sich von Schulz ab. 67 Prozent derer, die nun nicht mehr Schulz wählen würden, sind weiblich. Zudem schwindet die Zustimmung für Schulz und die SPD stärker in ländlichen Gebieten als in der Stadt. Die meisten der treuen SPD-Wähler wohnen hingegen städtisch und sind tendenziell älter als Wechsler. Unter den treuen SPD-Wählern finden sich die wenigsten in der Altersstufe von 18 bis 34 Jahren.

„Wir gehen derzeit davon aus, dass sich die SPD erstmal auf dem aktuellen Niveau ihrer Kernwählerschaft stabilisieren wird “, erläutert Holger Geißler, Head of Research bei YouGov Deutschland. „Es wäre aber falsch, die SPD schon abzuschreiben. Wie viel Dynamik auch in einem relativ kurzen Zeitraum möglich ist, zeigten die Bundestagswahl 2002 und vor allem die aktuellen Wahlen zum britischen Unterhaus.

Die Auswertung aus dem YouGov-Längsschnittpanel „Die SPD im Längsschnitt: Der (vorläufige) Stopp des Schulz-Zugs?“ können Sie hier kostenfrei herunterladen.

Zur Studie:

Die YouGov-Analyse beruht auf einer aktuellen Auswertung aus dem YouGov-Längsschnittpanel zur Bundestagswahl. Insgesamt werden zwischen 3.000 bis 4.000 Teilnehmer wiederkehrend befragt. Die beiden Befragungen, auf die sich die Auswertung stützt, fanden zwischen dem 15.2. und 1.3. und vom 25.4. bis zum 6.5.2017 statt und wurden als quantitative Online-Befragung durchgeführt. Die Ergebnisse der beiden Befragungen verknüpfte YouGov für die Analyse mit der YouGov-Datenbank. Diese umfasst Informationen zu den aktuell über 240.000 Panel-Mitgliedern. YouGov erhebt regelmäßig Daten zur Lebenswelt, den Meinungen und zu den Gewohnheiten der Panel-Mitglieder.

Pressekontakt:

YouGov Deutschland GmbH
Nikolas Buckstegen
Manager PR
Tel.: +49 (0) 221 42061-444
E-Mail: presse@yougov.de

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