Jeder Vierte hat wegen Corona weniger Geld in der Tasche

Jeder Vierte hat wegen Corona weniger Geld in der Tasche

Die meisten Deutschen sehen das Schreckgespenst Rezession aufgrund der Coronakrise am Horizont. Und manche spüren jetzt schon konkrete finanzielle Einschnitte. Eine Gruppe scheint dabei besonders stark betroffen.

Dass die Coronakrise drastische Auswirkungen auf die lokale und globale Wirtschaft hat und weiter haben wird, steht inzwischen außer Frage. Für die Einschätzung, wie stark diese sein werden, ist es hilfreich zu wissen, was die Bevölkerung zu diesem Thema denkt und empfindet und wie sehr sie von den bisherigen Entwicklungen betroffen ist.

Daten hierzu erheben wir aktuell im Rahmen unseres internationalen Covid-19-Monitors in 27 Ländern weltweit. Sie zeigen ein differenziertes Bild: Viele Menschen sind wegen der wirtschaftlichen Entwicklungen beunruhigt.

So gehen drei von fünf Deutschen (59 Prozent) davon aus, dass sich die deutsche Wirtschaft in zwölf Monaten in einer Rezession befinden wird. Nur jeder Vierte glaubt, dass sie wachsen oder stabil bleiben wird. Dazu passen die Gedanken zur Wirtschaft weltweit: 77 Prozent rechnen mit einer globalen Rezession. Auch machen sich mehr als die Hälfte aller Deutschen Gedanken über einen möglichen Zusammenbruch der Banken.

Geht es um mögliche persönliche Konsequenzen, sind die Einschätzungen weniger pessimistisch. Zwar ist jeder zweite Deutsche „ein bisschen“ oder „sehr“ besorgt, dass die persönlichen Finanzen aufgrund der Corona-Pandemie beeinträchtigt werden. Allerdings befürchten die meisten weder den Job zu verlieren, noch die Miete und Rechnungen nicht bezahlen zu können. Auch hat sich für 62 Prozent der Deutschen die wirtschaftliche Situation im Vergleich zu vor einem Monat nicht verändert.

Coronakrise könnte Vermögensschere in Deutschland weiter öffnen

Selbst wenn sich für die Mehrheit hierzulande gegenwärtig keine Veränderung der wirtschaftlichen Situation zeigt, ist ein Viertel der Deutschen konkret betroffen. Zu den Betroffenen zählen dabei jene, die auch in Nicht-Krisenzeiten öfter mit prekären Umständen zu kämpfen haben, wie unser Zielgruppensegmentierungs-Tool YouGov Profiles zeigt: Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung sind sie eher Geringverdiener, weiblich und seltener verheiratet. Unsere Daten bestätigen damit, dass die Coronakrise die Frauen eher trifft als die Männer. Auch sind die aktuell finanziell schlechter gestellten Menschen deutlich eher besorgt, nicht für schlechte Zeiten sparen zu können.

Dass mehr als die Hälfte der Menschen keine wirtschaftlichen Veränderungen durch die Coronakrise spüren, diejenigen, die sowieso weniger verdienen, dagegen schon, zeigt, dass die aktuelle Situation das Risiko birgt, die Einkommens- und Vermögensschere in Deutschland weiter zu öffnen: Wer es schon schwerer hatte, den trifft es am härtesten.

Der Grund für die finanziellen Einbußen liegt am wahrscheinlichsten darin, dass sich die Arbeitszeiten für die Betroffenen verringert haben. Hiervon betroffen sind, zusammen mit Freistellung, unbezahltem Urlaub oder sogar Kündigung 46 Prozent der Menschen, für die sich die wirtschaftliche Situation kurzfristig verschlechtert hat. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung berichten nur 22 Prozent von kürzeren Arbeitszeiten, Freistellung und Kündigung.

Italien und Spanien wirtschaftlich schwerer betroffen

Ein Blick in die internationalen Daten zeigt zudem die unterschiedlichen Lagen, in denen sich Verbraucher auch aufgrund der verschiedenen Verläufe der Pandemie in den beobachteten Ländern befinden. So berichten Befragte in Indonesien, Italien und Spanien deutlich häufiger davon, negative finanzielle Auswirkungen zu spüren, als in Deutschland und Schweden.

So erschienen auf Wirtschaftswoche Online.

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