Wer braucht eigentlich Elektroroller?

Wer braucht eigentlich Elektroroller?
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Neue Mobilitätsformen entstehen vor allem in Großstädten, wo sie jedoch nur eine Minderheit nutzt. Ein steigendes Umweltbewusstsein und nutzerfreundlichere Konzepte könnten für die neuen Verkehrsmittel begeistern.

Flugtaxis gibt es zwar immer noch nicht, aber in den vergangenen Jahren sind doch einige neue Mobilitätsoptionen hinzugekommen. Vor allem in Großstädten haben Menschen oft die Wahl zwischen mehreren Carsharing-Anbietern, Ridesharing-Diensten, Leihfahrrädern, Elektrorollern oder -Scootern – und das ergänzend zu Bussen, Bahnen und Taxis. Wie Verbraucherinnen und Verbraucher die neuen Angebote einschätzen und wie die Anbieter potenzielle Kundengruppen erreichen können, haben wir in der YouGov-Analyse „Mobilität der Zukunft“ untersucht.

Der Titel verdeutlicht: Gegenwart sind alternative Mobilitätsformen für die allermeisten noch längst nicht. 46 Prozent der Deutschen nutzen regelmäßig städtischen Nahverkehr, also Busse, Straßenbahnen und ähnliche Verkehrsmittel. Etwa zwei Drittel nutzen ein eigenes Auto. Demgegenüber kommen neue Mobilitätsformen auf Nutzeranteile im einstelligen Prozentbereich – auch wenn Miet-Räder, -Roller und -Autos vielerorts unübersehbar sind.

Mehr Nachfrage in Großstädten

Etwas besser sieht es für die neuen Mobilitätsanbieter aus, wenn wir nur Befragte aus Hamburg, Köln, Düsseldorf, München, Frankfurt am Main, Stuttgart und Berlin betrachten. In diesen Großstädten nutzen immerhin elf Prozent Taxi-Alternativen wie Uber oder Free Now. Zehn Prozent nutzen Carsharing. Leihräder werden von sieben Prozent der Großstädter genutzt, Elektroroller von vier Prozent. Insgesamt nutzen 22 Prozent der Menschen in Großstädten solche alternativen Fortbewegungsmittel. Gleichzeitig sind klassische Mobilitätskonzepte hier ebenfalls stärker: Taxis und städtischer Nahverkehr werden viel häufiger genutzt als im Rest der Republik.

Für alle neuen Mobilitätsformen zeichnet sich ein substanzielles Wachstumspotenzial ab. Mehr als ein Viertel derjenigen, die in einer Großstadt leben, können sich vorstellen, Carsharing oder Ridesharing in Zukunft zu nutzen. Leihräder (49 Prozent) und Elektroroller (50 Prozent) könnten Mobilität in deutschen Großstädten ebenfalls verändern. Während nur 21 Prozent der Großstädter angeben, in Zukunft klassische Taxiunternehmen nutzen zu wollen, kommen Taxi Alternativen bereits für 35 Prozent in Frage.

Zu kompliziert, zu teuer: Dienstleister sollten am Image arbeiten

Allerdings gibt es einige Hürden, die Interessierten tatsächlich in Kundinnen und Kunden zu verwandeln. Im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln erscheint den Interessierten die Nutzung von Taxi-Alternativen und Elektrorollern oft als kompliziert und zugleich weniger verlässlich. Andererseits stehen sie der technischen Komponente offener gegenüber: 84 Prozent sagen, dass Technologie ihr Leben einfacher mache (gegenüber 76 Prozent in der Gesamtbevölkerung). „Ich versuche daran zu arbeiten, ein besserer Mensch zu werden“, sagen ebenfalls überdurchschnittlich viele der potenziellen Kundinnen und Kunden, was gut dazu passt, dass Elektroroller bei ihnen ein umweltfreundlicheres Image haben als die meisten anderen Verkehrsmittel.

Wer die neuen Angebote schon nutzt, sieht sich oft als Vorreiter beim Ausprobieren neuer Technologie. Ein Nutzungshindernis könnte die Tatsache sein, dass diese Vorreiter das Gefühl haben, zu viele Abonnements bei Diensten wie Spotify oder Netflix abgeschlossen zu haben. Umgekehrt ließe sich interpretieren, dass diese Gruppe mit einem deutlichen Altersschwerpunkt von 18 bis 34 Jahren leicht Abos abschließt und einem monatlichen Mobilitäts-Abo offen gegenüber eingestellt sein könnte.

Ein Drittel von ihnen findet jedenfalls die aktuellen Preise etwa für Elektroroller teuer. Unsere Analyse zeigt, dass die neuen Fortbewegungsmöglichkeiten bisher vor allem von Gutverdienern angenommen werden.

Neue Mobilitätsdienstleister sollten also sowohl an ihrem Image arbeiten – etwa Einfachheit und Verlässlichkeit stärker betonen, als auch ihr Angebot anpassen – vor allem Preisstrukturen überdenken. Wichtiger Kommunikationskanal sind dabei Soziale Medien. Bestandskundinnen und -kunden sind überdurchschnittlich oft bei Xing anzutreffen, während an Mobilitätsangeboten Interessierte Youtube und Instagram stark nutzen.

So erschienen in der Wirtschaftswoche online.

Foto: dpa

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