Lokführer und Piloten: Wenig Verständnis für Streiks

Lokführer und Piloten: Wenig Verständnis für Streiks
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Nur ein Viertel der Deutschen hätte für neue Streiks bei Bahn und Lufthansa Verständnis.

Fürs Erste sind neue Streiks aufgeschoben, die Lokführergewerkschaft GDL und die Bahn sind zurück am Verhandlungstisch. Es seien „Ergebnisse“ erzielt worden, heißt es von der GDL. Die Bahnkunden atmen auf: Vorerst werden die Lokführer nicht – wie mehrfach Ende vergangenen Jahres – die Arbeit niederlegen.

Mit Verständnis in der Bevölkerung hätten die Streikenden aber ohnehin nicht rechnen dürfen. Das ergibt eine aktuelle, repräsentative YouGov-Umfrage. Darin gab lediglich jeder Vierte an, Verständnis dafür zu haben, wenn die GDL ihre Forderungen weiter durch Streiks durchsetzen möchte, knapp zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) sagten, sie hätten kein Verständnis. Anhänger der Partei Die Linke haben dabei überdurchschnittlich viel Verständnis für die Streikandrohungen – 40 Prozent von ihnen bejahen die Frage. Bei der Union sind es mit 16 Prozent nicht einmal halb so viele.

Zu den Forderungen der GDL zählen nicht nur mehr Geld und mehr Urlaub für die eigenen Mitglieder, sondern auch das Recht, für alle Bahnmitarbeiter verhandeln zu dürfen. Bislang wird ein Teil von ihnen von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) vertreten. Während des noch immer laufenden Tarifstreites kam es Anfang November 2014 zum längsten Bahnstreik in der deutschen Geschichte.

Interessant auch: Menschen, in deren Haushalt kein Auto zur Verfügung steht, äußerten mehr Verständnis für die Streiks (31 Prozent) als solche, bei denen es eines gibt (24 Prozent) – obwohl man bei letzteren eigentlich annehmen kann, dass sie weniger auf die Bahn angewiesen sind.

Neben den Bahnmitarbeitern hat in den vergangenen Monaten eine weitere Bevölkerungsgruppe durch Streiks auf ihre Forderungen aufmerksam gemacht: die Piloten von Lufthansa und ihrer Tochterfirma Germanwings. Dort gab es Mitte Februar den letzten größeren Streik, knapp 200 Flüge fielen aus. Den Piloten geht es dabei vor allem um eine Übergangsversorgung bis zum Erreichen des Rentenalters. Dafür hat selbst verdi-Chef Frank Bsirske kein Verständnis. Ganz so wie die deutsche Bevölkerung: Wie bei der Bahn äußerte nur etwa ein Viertel (26 Prozent) der Befragten Verständnis für die Streiks, 59 Prozent verneinten die Frage.

Auch hier zeigen sich wieder Unterschiede zwischen den Parteien: Anhänger der Partei die Linke haben überdurchschnittlich viel Verständnis (35 Prozent ja, 50 Prozent nein), Unionswähler unterdurchschnittlich wenig (20 Prozent ja, 70 Prozent nein).

Wähler der Linken haben nicht nur mehr Verständnis für die Streiks, sie glauben auch eher, dass diese auf lange Sicht einen positiven Einfluss auf die deutsche Wirtschaft haben werden. Sind es bei den Linken-Wählern immerhin 19 Prozent, die an einen positiven Effekt der Bahnstreiks glauben, sinkt die Zahl bei Betrachtung der Gesamtbevölkerung auf sieben Prozent. Einen negativen Langzeit-Effekt nehmen bei den Wählern der Linken lediglich 38 Prozent an – in der Gesamtbevölkerung tun dies 62 Prozent, bei den Unions-Wählern sogar 72 Prozent.

Bei den Pilotenstreiks sieht es ähnlich aus: Anhänger der Union glauben eher an einen negativen langfristigen Effekt auf die deutsche Wirtschaft. 62 Prozent von ihnen geben dies an – bei den Anhängern der Linken sind es nur 34 Prozent (Gesamtbevölkerung: 51 Prozent). Von jenen glauben 42 Prozent stattdessen daran, dass die Streiks bei Lufthansa und Germanwings gar keinen Effekt auf die deutsche Wirtschaft haben werden (CDU/CSU: 25 Prozent, Gesamt: 30 Prozent).

Auf Basis des YouGov Omnibus wurden 1.002 Personen im Zeitraum vom 18.02. bis 20.02.2015 repräsentativ befragt.

Foto: Matthias Schrader/AP/Press Association Images

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