Das Image-Problem der Glücksspielbranche

Das Image-Problem der Glücksspielbranche
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Die Verbraucher in Deutschland stehen dem Online-Glückspiel eher skeptisch gegenüber. Bei Sportwetten zeigt sich ein ähnliches Bild. Allein Lotterien haben einen besseren Ruf.

Der aktuelle YouGov Report „Global Gambling 2022: The consumer view in the gambling debate“ setzt sich mit der Wahrnehmung von (Online-) Glücksspiel, Sportwetten und Lotterien in 18 Ländern weltweit auseinander. Anhand der Ergebnisse der internationalen Studie sowie von Daten unseres Markenmonitors YouGov BrandIndex werfen wir einen Blick auf die Einstellungen deutscher Verbraucher.

Wenig Unterstützung für Online-Glücksspiel

Auch wenn der im letzten Jahr geschlossene Glücksspielstaatsvertag Online-Glücksspiel in Deutschland auch außerhalb von Schleswig-Holstein legalisiert und auch wenn dieser eine Rechtsgrundlage zum Schutz der Verbraucher legt, stehen Verbraucher in Deutschland dem Online-Glücksspiel eher skeptisch gegenüber. Zwei von fünf (43 Prozent) sind der Ansicht, dass Online-Glücksspiel verboten werden sollte. Ein Drittel ist gegen ein Verbot, und jeder Fünfte hierzulande kann dies nicht beantworten.

Damit liegt Deutschland im Mittelfeld im internationalen Vergleich. Spitzenreiter unter den 15 bei dieser Frage untersuchten Ländern sind Spanien und Indien. Hier sprechen sich jeweils fast sechs von zehn Verbrauchern (57 Prozent) gegen Online-Glücksspiel aus, dicht gefolgt von Singapur (56 Prozent). Am seltensten sprechen sich Verbraucher in Frankreich (34 Prozent), den USA (33 Prozent) und Polen (32 Prozent) für ein Verbot von Online-Glücksspiel aus.

Die Daten zeigen auch, dass sich die Deutschen bisher, wahrscheinlich auch aufgrund des fehlenden legalen Angebots, kaum ein Bild über die rechtlichen Rahmenbedingungen rund um das Online-Glücksspiel machen konnten. Fast die Hälfte (46 Prozent) der in Deutschland lebenden Befragten konnte auf die Frage, ob die Gesetze und Regulierungen rund um das Online-Spiel hierzulande zu strikt seien, nicht antworten. Jeder zehnte Befragte (10 Prozent) fand diese zu restriktiv.

Auch Sportwetten nicht bei allen wohlgelitten

Schaut man auf die Akzeptanz von Sportwetten, zeigt sich ein ähnliches Bild wie für das Online-Glücksspiel. Etwas mehr als ein Viertel (27 Prozent) der deutschen Verbraucher ist der Ansicht, dass es hierzulande erlaubt sein sollte, online oder in Person Wetten auf sportliche Ereignisse abzuschließen. 47 Prozent stimmen der Aussage nicht zu. Hier nimmt Deutschland den letzten Platz im Ländervergleich ein. Am häufigsten sprechen sich Befragte in Hongkong (50 Prozent), Kanada (48 Prozent) und den USA (48 Prozent), dafür aus, dass Sportwetten erlaubt sein sollten.

Die internationale Studie zeigt auch, dass in den Augen der Deutschen zu sehr für Sport-Wetten geworben wird, bzw. diese zu oft als Sponsoren in Erscheinung treten. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Deutschen stimmt dieser Aussage zu. Auch wenn dies ein generell hoher Anteil ist, liegt er im Ländervergleich im unteren Mittelfeld. Fast drei Viertel der Australier (72 Prozent) und Spanier (71 Prozent) sind der Ansicht, dass in ihren Ländern zu sehr für Sportwetten geworben würde.

Vor diesem Hintergrund zeigt ein Blick in unseren Markenmonitor YouGov BrandIndex, dass sich die Werbung für die Anbieter trotz der Haltung der Verbraucher lohnt. So konnten hierzulande die Sportwettenanbieter Betano, bet365 sowie Bet3000 ihre Werbewahrnehmung und die Absicht, bei den Unternehmen zu wetten, gemessen über die Kaufabsicht, in den vergangenen zwei Monaten unter Markenkennern steigern.

Für jeden fünften Deutschen sind Lotterien kein Glücksspiel

Die Daten zeigen ein ambivalentes Verhältnis der Verbraucher gegenüber Lotterien. Einerseits werden diese von 63 Prozent der deutschen Befragten durchaus als Glücksspiel angesehen, außerdem glaubt die Hälfte (49 Prozent) nicht daran, mit Lotterien hohe Preise gewinnen zu können. Andererseits sieht einer von fünf (21 Prozent) hierzulande Lotterien nicht als Glücksspiel, knapp ein Drittel (31 Prozent) ist an Lotterien interessiert, und ebenso viele (33 Prozent) finden den Nervenkitzel des potenziellen Gewinns aufregend. Das höchste Interesse an Lotterien besteht in Frankreich (43 Prozent), das niedrigste in Italien (26 Prozent).

Der Blick in den BrandIndex zeigt, dass fast ein Fünftel der Deutschen Lotto 6 aus 49 spielt. Auch der Eindruck, den Kenner von der Marke haben, ist mehrheitlich positiv. Dies gilt auch für die Aktion Mensch, im Übrigen einer der Biggest Mover von YouGov im September sowie für die Deutsche Fernsehlotterie. Auch der Eurojackpot kann bei den deutschen Verbrauchern punkten. Er verzeichnete im Juli die höchste Steigerung der Werbewahrnehmung unter den im BrandIndex gemessenen Marken.

Imageprobleme verantwortungsbewusst angehen

Zum einen zeigt unsere Studie, dass Glücksspiel gesellschaftlich akzeptiert ist. Unabhängig davon haben Glücksspiel und Sportwetten auf dem hiesigen Markt, sowie in vielen der untersuchten Märkte, bei einer Mehrheit der Verbraucher ein schlechtes Image. Lotterien nehmen in gewisser Weise eine Sonderstellung ein. Lediglich knapp jeder Zehnte hierzulande ist der Ansicht, dass Online-Glücksspielunternehmen auf das Wohlergehen ihrer Kunden achten. Immerhin ein Viertel stimmt der Aussage zu, dass rechtlich regulierte Glücksspielanbieter verantwortlich und fair agieren. Und rund ein Fünftel der Deutschen ist der Ansicht, dass Glücksspieler verantwortungsvoll und ohne sich oder andere zu schädigen dem Glücksspiel nachgehen.

Bei allen drei Aussagen liegt Deutschland im unteren Drittel des internationalen Vergleichs. Anbieter stehen vor der Herausforderung, die Bedenken und Sorgen der Verbraucher ernst zu nehmen, zu adressieren und glaubhaft zu vermitteln, dass man sich der Verantwortung gegenüber den Kunden bewusst ist. Wie dies der Branche gelingt, werden künftige Analysen zeigen.

 

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