Corona als Belastungsprobe für Eltern – Mehrheit wünscht sich mehr Anerkennung durch die Politik

YouGov-Studie zum Weltelterntag (1. Juni) in Kooperation mit SINUS

Die Beziehung zu den eigenen Eltern oder auch den eigenen Kindern ist ein Thema, das die Menschen ein Leben lang intensiv und oft auch emotional beschäftigt. In Zeiten der Corona-Pandemie wird der Alltag bei Familien mit schulpflichtigen und Kita-Kindern auf eine harte Probe gestellt. Jährlich am 1. Juni wird der Weltelterntag begangen. In einer gemeinsamen Umfrage mit dem SINUS-Institut hat YouGov die Deutschen nach ihren Eltern- und Kinder-Beziehungen, nach ihren Erwartungen an sich selbst bei der Kindererziehung sowie nach ihren Einstellungen dazu befragt.

Köln, 31.05.2021. Seit mehr als einem Jahr wird das häusliche Zusammenleben durch die Corona-Pandemie beherrscht: Isolation, Homeschooling und Kita nur als Ausweich-Option – die Maßnahmen zum Schutz vor der Coronavirus-Ausbreitung gehen zu Lasten der Eltern. Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) der Deutschen sind der Ansicht, dass die Belastung von Eltern mit (Klein-)Kindern während der Corona-Krise nicht ausreichend von der Politik berücksichtigt wird. Dies sagen Personen mit Kindern im Haushalt (74 Prozent) bzw. Befragte aus Haushalten mit 5 Personen oder mehr (80 Prozent) erwartungsgemäß noch häufiger.

Dies sind Ergebnisse einer repräsentativen Online-Studie der internationalen Data & Analytics Group YouGov in Kooperation mit dem SINUS-Institut, für die 2.029 Personen zwischen 18 und 69 Jahren anlässlich des Weltelterntages am 1. Juni befragt wurden. Der durch die Vereinten Nationen 2012 ausgerufene Weltelterntag würdigt die zentrale Rolle der Eltern in Bildung, Erziehung und Betreuung ihrer Kinder. Dabei soll Eltern besondere Wertschätzung für ihre Verantwortung, Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen, zuteilwerden.

Deutsche verstehen sich gut mit den eigenen Eltern und finden diese großartig

Generell ist das Verhältnis der Deutschen zu ihren Eltern größtenteils positiv: Vier von Fünf (80 Prozent) haben oder hatten ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern. Die Bewertung fällt bei Jüngeren am positivsten aus.

Weiterhin empfinden vier von fünf Befragten (79 Prozent) Dankbarkeit für ihre Eltern. Ein vergleichbarer Anteil der Deutschen (77 Prozent) blickt auf eine kindgerechte Entwicklung dank der eigenen Eltern zurück. Jeweils 74 Prozent sagen, dass ihre Eltern immer für sie da waren sowie dass ihre Eltern sie zu dem Menschen gemacht haben, der sie sind. 73 Prozent geben an, dass ihre Eltern ihren moralischen Kompass stark geprägt haben, und praktisch ebenso viele (72 Prozent) sind der Meinung, dass ihre Eltern großartig sind bzw. waren. Dem gegenüber sagen 14 Prozent, dass sie nichts mehr mit ihren Eltern zu tun haben wollen.

Frauen sind schneller von zu Hause ausgezogen als Männer

So früh wie möglich von zuhause ausgezogen zu sein, sagen 41 Prozent. Diese Angabe machen die ältesten Befragten (50-69-Jährige) mit 46 Prozent am häufigsten. Der Blick auf die Geschlechterverteilung unterstreicht hierbei ein gängiges Stereotyp, nämlich, dass Frauen schneller das heimische Nest verlassen als Männer – unter weiblichen Befragten machten 43 Prozent die Angabe, so früh wie möglich zuhause ausgezogen zu sein, unter männlichen 39 Prozent.

Erwartungen an die eigene Elternschaft – Vorbildwirkung am wichtigsten

Fast alle Befragten mit Kindern im eigenen Haushalt geben an, ein gutes Vorbild für ihre Kinder sein zu wollen (94 Prozent). Dass sie ihnen die gleichen Werte vermitteln wollen, die ihre Eltern ihnen vermittelt haben, sagen knapp drei Viertel der deutschen Eltern (73 Prozent). Die Hälfte der Eltern (50 Prozent) sagt jedoch auch, dass sie ihre Kinder besser erzieht, als ihre Eltern sie selbst erzogen haben. Dies sagen Befragte zwischen 18 und 29 Jahren am häufigsten (59 Prozent).

Vier von Fünf begrüßen Eingreifen des Staates bei Überforderung der Eltern

Der Rolle des Staates wird bei Härtefällen in der Kindererziehung große Bedeutung beigemessen. So stimmen 81 Prozent aller Befragten zu, dass der Staat, beispielsweise in Form von Jugendämtern oder Familienberatungsstellen, eingreifen dürfen sollte, wenn Eltern nicht in der Lage sind, sich ausreichend um ihre Kinder zu kümmern. Unter Personen mit Kindern im Haushalt und älteren Befragten (60-69 Jahre) ist die Zustimmung mit 84 Prozent etwas größer.

„Unsere Daten zeigen, dass die Deutschen mehrheitlich ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern haben und die gleichen Werte vermitteln wollen, die sie vermittelt bekommen haben. Dies deutet auf eine hohe Wertschätzung der Elterngeneration hin“, fasst Philipp Schneider, Head of Marketing DACH bei YouGov, die Ergebnisse zusammen. „Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass sich Eltern bei der Bewältigung der Herausforderungen, vor denen sie stehen, von der Politik nicht genügend unterstützt fühlen. Dabei spricht sich eine Mehrheit für eine aktivere Rolle des Staates bei der Unterstützung überforderter Familien aus.“

Hohe Akzeptanz unterschiedlicher Familienbilder

In Politik und Medien werden Familienmodelle mitunter sehr emotional diskutiert. Doch wie steht die Bevölkerung dazu? Über die Äußerung, dass eine gute Eltern-Kind-Beziehung der Grundstein für ein glückliches Leben sei, herrscht hierzulande große Einigkeit: 89 Prozent stimmen dem zu, 60- bis 69-Jährige sogar mit 94 Prozent.

Die Bevölkerung steht dabei auch dem nicht-klassischen Familienmodell durchaus positiv gegenüber: Dass es gut sei, dass heutzutage weitere Familienmodelle akzeptiert werden als das klassische Mutter-Vater-Kind-Modell, sagen drei Viertel der Befragten (75 Prozent).

Gleichwohl stimmen 77 Prozent aller Befragten in Deutschland zu, dass für die Entwicklung von Kindern die gemeinsame Erziehung durch Vater und Mutter wichtig sei. Auch bei dieser Aussage lassen sich Differenzen in den Altersgruppen erkennen: Während die 60-69-Jährigen mit 88 Prozent zustimmen, machen unter 18- bis 29-Jährigen nur 67 Prozent diese Angabe.

Einstellung zu Familienmodellen wird durch Wertorientierungen geprägt

Das präferierte Familienmodell hängt stark mit der Werteorientierung der Befragten zusammen. Das zeigt die Analyse auf Basis des Gesellschaftsmodells der Sinus-Milieus®, das die deutsche Bevölkerung vor dem Hintergrund ihrer Werte und Lebensstile in zehn Gruppen Gleichgesinnter kategorisiert.

„In konservativeren Milieus der Bevölkerung wird das klassische Familienmodell mit traditioneller Rollenverteilung zwischen Vater und Mutter besonders befürwortet. Dazu zählen die Milieus der Konservativ-Etablierten, das ist das klassische Establishment, und das Milieu der Traditionellen als Sicherheit und Ordnung liebende ältere Generation“, erläutert Dr. Silke Borgstedt, Director Research & Consulting am SINUS-Institut. In (post-)modernen Milieus ist die Offenheit gegenüber anderen Familienmodellen hingegen deutlich ausgeprägter, insbesondere in der kosmopolitischen Avantgarde des Expeditiven Milieus und in den bildungsbürgerlichen Milieus der Liberal-Intellektuellen und Sozialökologischen.

Die Mitte der Gesellschaft zeigt sich in dieser Angelegenheit gespalten. „Während die alte Mitte der Gesellschaft, das Milieu der Bürgerlichen Mitte, stärker das traditionelle Familienbild befürwortet, werden in der jungen Mitte der Gesellschaft, im Milieu der Adaptiv-Pragmatischen, bereits andere Familienmodelle gelebt und eingefordert“, ergänzt Borgstedt.

Inanspruchnahme von Elternzeit ist weiterhin überwiegend Frauensache

Unter den Befragten mit Kindern zeigt der Blick auf die als Elternzeit bezeichnete berufliche Freistellung nach der Geburt, dass Frauen immer noch länger ihre Arbeit unterbrechen als Männer. So sagen 32 Prozent aller Eltern aus, die komplette Elternzeit allein übernommen zu haben, unter Frauen sagen dies 52 Prozent, unter Männern 4 Prozent. Männer sagen wiederum häufiger, den geringen Teil der Elternzeit übernommen zu haben (15 Prozent vs. 1 Prozent der Frauen). Dass sie sich die Elternzeit zu gleichen Teilen geteilt haben, sagen insgesamt nur 6 Prozent der Eltern in Deutschland. „Der Nachholbedarf in Bezug auf die Gleichberechtigung zeigt sich beispielsweise bei der Wahrnehmung der Elternzeit. Auch wenn hier in den letzten Jahren Fortschritte erzielt wurden, wird diese weiterhin mehrheitlich von Frauen wahrgenommen“, kommentiert Philipp Schneider, Head of Marketing DACH bei YouGov.

Gemeinsame Kind-Betreuung durch beide Elternteile für Österreicher noch wichtiger

Für unsere Nachbarn in Österreich fallen die Ergebnisse ähnlich aus. Jedoch ist die gemeinsame Betreuung durch Vater und Mutter noch wichtiger als für die Deutschen (82 Prozent vs. 77 Prozent der Deutschen). Das hat der SINUS-Partner INTEGRAL Marktforschung für Österreich herausgefunden. Etwas mehr Österreicher als Deutsche haben dabei auch eine progressivere Haltung zu Familienmodellen: Vier von fünf (79 Prozent) sagen, dass es gut sei, dass heutzutage weitere Familienmodelle akzeptiert werden als das klassische Mutter-Vater-Kind-Modell (in Deutschland 75 Prozent). Gegen das Eingreifen des Staates bei Überforderung der Eltern sprechen sich mit 16 Prozent der österreichischen Befragten mehr aus als in Deutschland (11 Prozent).

Dass sie so früh wie möglich das Elternhaus verlassen haben, geben Österreicher (45 Prozent) häufiger an als Deutsche (41 Prozent). Auch im Nachbarland treffen Frauen diese Aussage häufiger als Männer (48 Prozent vs. 41 Prozent der Männer).

 

Methodischer Hinweis

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2.029 Personen zwischen dem 23. und 29.04.2021 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 bis 69 Jahren.

Die Pressegrafiken können unter folgendem Link kostenlos heruntergeladen werden:

www.yougov.de/pressegrafiken_tag_der_eltern_YouGov_SINUS

 

 

Pressekontakt:

YouGov Deutschland GmbH
Anne-Kathrin Sonnenberg
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