Zwei von drei Deutschen würden den Bundespräsidenten gern selbst wählen

Zwei von drei Deutschen würden den Bundespräsidenten gern selbst wählen
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Eine Präsidentschaft Frank-Walter Steinmeiers käme auch bei Unionswählern gut an – eine Norbert Lammerts im Gegenzug auch bei Sozialdemokraten.

2017 wird nicht nur ein neuer Bundestag gewählt. Deutschland bekommt auch ein neues Staatsoberhaupt. Denn Bundespräsident Joachim Gauck will nicht noch einmal kandidieren. Doch während in vielen anderen Ländern das Staatsoberhaupt – das meist allerdings auch deutlich mehr Macht hat als der fast nur in repräsentativer Form tätige deutsche Bundespräsident – direkt vom Volk gewählt wird, erledigt das hierzulande die Bundesversammlung, die extra für diese eine Wahl einberufen wird.

Doch eine Mehrheit der Deutschen würde gerne den Bundespräsidenten selbst wählen. Und viele Anhänger auch anderer Parteien könnten sich mit einer Präsidentschaft des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert (CDU) oder des Bundesaußenministers Frank-Walter Steinmeier (SPD) anfreunden. Das ist das Ergebnis einer aktuellen YouGov-Umfrage.

Demnach fänden es insgesamt 38 Prozent der Befragten gut, wenn Norbert Lammert Bundespräsident würde. Von den Unionsanhängern sagt dies sogar mehr als die Hälfte (56 Prozent), von den SPD-Anhängern (53 Prozent) ebenfalls.

Ganz ähnlich sieht es bei einem SPD-Politiker, dessen Kandidatur immer wieder kolportiert wird, aus. Frank-Walter Steinmeier fänden 65 Prozent der SPD-Wähler, 46 Prozent der Anhänger von CDU und CSU als Präsidenten gut – in der Gesamtbevölkerung sind es immerhin noch 41 Prozent.

Der ebenfalls häufiger genannte baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann kommt hingegen nur bei den eigenen Wählern eine Mehrheit (55 Prozent), Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nicht einmal dort; von den Unions-Anhängern fänden einen Wechsel Schäubles ins Präsidentenamt nur 39 Prozent gut, der Grüne Kretschmann kommt bei den konservativen Wählern ebenfalls auf 38 Prozent.

Doch einen direkten Einfluss haben die Wähler auf die Entscheidung ohnehin nicht. Denn wählen dürfen neben den gut 600 Bundestagsabgeordneten noch weitere 600 Delegierte, die von den Landesparlamenten entsandt werden – meist Prominente.

Dies zu ändern, würden zwei von drei Deutschen (69 Prozent) allerdings befürworten – und zwar über alle Parteigrenzen hinweg. So würden zum Beispiel auch 71 Prozent der Unions-Wähler und sogar 76 Prozent der Sozialdemokraten einen solchen Schritt befürworten.

Auf Basis des YouGov Omnibus wurden 2027 Personen im Zeitraum vom 6. bis 8. Juni 2016 repräsentativ befragt. Die Frage nach der Direktwahl wurde im Auftrag der Deutschen Presseagentur durchgeführt.

Methodischer Hinweis: Da noch keine definitive Kandidatenliste existiert wurden lediglich fünf immer wieder kolportierte Politiker, die zudem in der Bevölkerung eine hohe Bekanntheit genießen, ausgewählt. Diese traten auch nicht "gegeneinander an". Stattdessen wurden die Befragten gebeten, anzugeben, ob sie es gut oder schlecht fänden, wenn der jeweilige Politiker Bundespräsident würde.

Foto: Jens Meyer/AP/Press Association Images

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