GLP-1-Medikamente strukturieren Einkaufs- und Ernährungsroutinen neu
Nürnberg, 15. Januar 2026 – GLP-1-Medikamente wie Ozempic, Wegovy oder Mounjaro haben sich in Deutschland innerhalb kurzer Zeit von verschreibungspflichtigen Diabetespräparaten zu einem breit diskutierten gesellschaftlichen Thema entwickelt. Aktuelle Daten aus dem YouGov Who Cares? Who Does? 2025 Report zeigen: Die wachsende Bekanntheit und Nutzung dieser Medikamente geht mit messbaren Veränderungen im Ess- und Kaufverhalten einher – insbesondere im FMCG-Umfeld.
Bekanntheit hoch, Adoption nimmt zu
Sechs von zehn Erwachsenen (63 Prozent) in Deutschland haben bereits von injizierbaren Medikamenten zur Gewichtsreduktion gehört. Bereits mehr als vier Millionen Haushalte nutzen in Deutschland GLP-1-Medikamente oder ziehen ihre Nutzung in Betracht. Damit entsteht bereits in einer frühen Phase eine relevante Adoptionsbasis in einem Markt, in dem 25 Prozent der Erwachsenen mit Adipositas leben und 67 Prozent der Männer sowie 53 Prozent der Frauen als übergewichtig gelten (Deutsche Adipositas-Gesellschaft e.V. 2025).
„Viele Menschen fühlen sich derzeit ungesehen, wahrgenommene Anerkennung geht zunehmend verloren. In der Folge wächst der Druck zur Selbstoptimierung. Abnehmspritzen bieten hier einen attraktiven Weg, schnell sichtbare Ergebnisse zu erzielen – und sich dadurch besser zu fühlen“, erklärt Anna-Katharina Kraus, Senior Director Insights & Future Growth bei YouGov.
Kontrollierte Convenience: Wie GLP-1 Ess- und Kaufverhalten verändert
Da GLP-1-Medikamente das Sättigungsgefühl erhöhen und die Verdauung verlangsamen, balancieren Nutzerinnen und Nutzer ihr Ess- und Kaufverhalten neu aus.
Aktive Nutzer richten ihre Einkäufe stärker auf portionskontrollierte Formate aus, die Struktur, Planbarkeit und Kontrolle im Alltag unterstützen, sowie auf nährstoffreiche, funktionale Produkte, die pro Portion einen höheren Nutzen bieten. Routinefreundliche, praktische Lösungen gewinnen gegenüber Neuheits- und Impulskäufen deutlich an Bedeutung. Der Fokus verschiebt sich hin zu Produkten, die sich reibungslos in bestehende Tagesabläufe integrieren lassen und „für den Nutzer arbeiten“, statt zusätzlichen Entscheidungsaufwand zu erzeugen.
Daten aus dem YouGov FMCG Shopper Panel Deutschland (2025) zeigen frühe, aber klare Anpassungen der Warenkörbe von aktiven GLP-1-Nutzern, Personen mit Nutzungsabsicht und der Gesamtbevölkerung. Personen, die eine Nutzung von GLP-1 in Erwägung ziehen, bleiben offener für Convenience- und Impulskäufe und gelegenheitsorientierte Genussmomente. Besonders deutlich werden die Unterschiede in Kategorien mit klarem funktionalem Mehrwert und geringem Integrationsaufwand, was auf eine Übergangsphase zwischen klassischen Konsumroutinen und stärker gesundheits- und wirkungsorientierten Mustern hindeutet.
Über Lebensmittel hinaus: Effekte im OTC-Bereich
Während Considerers in eher convenience- und impulsgetriebenen FMCG-Kategorien überdurchschnittlich vertreten sind, weist das Konsumverhalten im OTC-Bereich auf ein breiteres Spektrum gesundheitsbezogener Bedürfnisse hin. Personen mit Nutzungsabsicht greifen häufiger zu OTC-Produkten für Verdauungsbeschwerden und geben in diesem Bereich mehr als der Durchschnitt aus. Aktive GLP-1-Nutzer hingegen investieren häufiger in Nahrungsergänzungsmittel für Haut, Haare und Nägel, ebenfalls verbunden mit höheren durchschnittlichen Ausgaben. Dies deutet darauf hin, dass der Einfluss von GLP-1-Medikamenten nicht auf Ernährungsaspekte begrenzt ist, sondern sich auch in angrenzenden Bereichen wie Verdauung, Körperpflege und Fitness widerspiegelt.
„GLP-1 überträgt Konsumlogiken in einen medizinischen Kontext und macht zugleich deren Grenzen sichtbar. Wenn es um das langfristige Wohlbefinden geht, wirkt eine Vielzahl an Optionen nicht befreiend, sondern lähmend. Konsumentinnen und Konsumenten suchen nicht nach mehr Auswahl, sondern nach Vertrauen“, kommentiert Kraus.
Was das für FMCG und Handel bedeutet
Für FMCG- und Handelsunternehmen zeigt der zunehmende Einsatz von GLP-1-Medikamenten, auch jenseits medizinischer Indikationen, wie stark medizinische Interventionen das Ernährungsverhalten, die Warenkorbzusammensetzung und die Entwicklung einzelner Kategorien beeinflussen können. Der Wunsch nach Selbststeuerung, ausgewogener Ernährung und verlässlichen Routinen gewinnt weiter an Bedeutung. Produkte, die Portionierung erleichtern, einen klaren funktionalen Nutzen bieten und sich nahtlos in den Alltag integrieren lassen, treffen dabei zentrale Bedürfnisse dieser Konsumentengruppen.
Injizierbare Medikamente zur Gewichtsreduktion verdeutlichen damit exemplarisch, wie körperliche Veränderungen zu neuen Konsumroutinen führen. Für Marken und Händler liegt die Chance im genauen Verständnis dieser Anpassungen im Alltag von GLP-1-Nutzern – und darin, Angebote gezielt auf ein wachsendes Bedürfnis nach Kontrolle, Ausgewogenheit und Alltagstauglichkeit auszurichten.
Über die Studie
Die internationale Studie „Who Cares? Who Does? Health“ 2025, durchgeführt von YouGov in Kooperation mit Europanel und Kantar, basiert auf den Daten von über 100.000 Haushalten in 31 Märkten weltweit. Ein Teil der Daten stammt aus dem YouGov Shopper Panel – ehemals Consumer Panel Services (CPS), bis 2023 Teil der GfK Gruppe. Die Studie liefert umfassende Einblicke in die Einstellungen und Verhaltensmuster von Konsumentinnen und Konsumenten zu den Themen Gesundheit, Ernährung, Nachhaltigkeit und Lifestyle. Sie zeigt, wie gesellschaftliche Entwicklungen – von wirtschaftlicher Unsicherheit bis hin zum technologischen Wandel – den Alltag und die Konsumentscheidungen beeinflussen und wie Marken und Händler das wachsende Bedürfnis nach Wohlbefinden, Transparenz und Vertrauen gezielt ansprechen können.
Der TrendReality Report strukturiert über 200 Trends sowie Verbraucherbedürfnisse in 22 europäischen Ländern. Die Analyse wird durch Marktdaten, Beispiele und strategische Interpretationen der YouGov FMCG- und Trendexperten ergänzt.
Pressekontakt
Für YouGov Shopper: FleishmanHillard, Naomi Lahner | yougov.dach@fleishman.com | +49 (0)152-09556977







