Mehrheit der Deutschen wünscht Abbruch der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei

Mehrheit der Deutschen wünscht Abbruch der  EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei

Neun von zehn Befragten lehnen derzeit Urlaub am Bosporus ab

Köln, 26.07.2017. Wenige Tage nach dem Jahrestag des Putschversuchs in der Türkei eskalieren die deutsch-türkischen Beziehungen. So entschloss sich die Bundesregierung letzte Woche nach der Verhaftung weiterer deutscher Staatsbürger durch die türkische Polizei, ihre Türkei-Politik neu auszurichten. Außenminister Gabriel warnte vor Reisen in das Land und kündigte an, zukünftige Exportbürgschaften dorthin auf den Prüfstand zu stellen. Der Ton zwischen beiden Ländern verschärfte sich deutlich. Was denken die Deutschen aktuell über Erdogans Türkei und den Politikwechsel der Regierung?

Acht von zehn Deutschen sind gegenwärtig der Überzeugung, dass die Türkische Republik keine Demokratie ist. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage des internationalen Meinungsforschungsinstituts YouGov. „Die umfangreiche Berichterstattung hierzulande über die Repressionen der türkischen Regierung gegen politisch Andersdenkende prägt bei den Bürgern derzeit das Bild von der Türkei, ebenso der aggressive Ton türkischer Politiker gegenüber Deutschland“, erläutert Peter Mannott, Team Manager Political Research bei YouGov Deutschland. Eine große Mehrheit (80 Prozent) wünscht sich angesichts der derzeitigen Entwicklungen ein härteres Vorgehen von der Bundesregierung gegenüber dem Land am Bosporus, fast die Hälfte (48 Prozent) der Befragten plädiert sogar für ein viel härteres Vorgehen.

Jeder Zweite (52 Prozent) befürwortet, die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei wegen der aktuellen Entwicklungen zu beenden oder sie auf Eis zu legen. Weitere 32 Prozent lehnen den EU-Beitritt grundsätzlich ab. Damit sprechen sich insgesamt 84 Prozent der Deutschen derzeit gegen einen EU-Beitritt der Türkei aus. Nur noch drei Prozent sind der Überzeugung, dass die Verhandlungen wie bisher weitergeführt werden sollten. 82 Prozent der Befragten wünschen sich außerdem ein Auftrittsverbot von türkischen Politikern in Deutschland. „Mit der diplomatischen Auseinandersetzung scheinen die Regierungsparteien auch bei den Wählern zu punkten“, so Peter Mannott.

Der Konflikt beeinflusst auch die Urlaubsplanungen der Deutschen. Nur noch 5 Prozent der Befragten würden in der aktuellen politischen Situation in die Türkei reisen. Eine große Mehrheit von 89 Prozent lehnt derzeit Urlaub am Bosporus ab. Sogar mehr als ein Drittel der Befragten (38 Prozent) verzichtet aktuell auf eine Türkeireise, obwohl es sich das Land allgemein als Reiseziel vorstellen kann.

Aufschlussreich ist, dass die Mehrheit der Deutschen (63 Prozent) überzeugt ist, dass in der Türkei keine rechtsstaatlichen Prinzipien herrschen. Daher verwundert es auch nicht, dass mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) es tendenziell befürwortet, dass türkische Staatsbürger, die der Beteiligung am Putschversuch 2016 beschuldigt werden, in Deutschland politisches Asyl erhalten sollten.

Die Ergebnisse der aktuellen YouGov-Umfrage können Sie hier herunterladen.

Zur Befragung:

YouGov befragte im Zeitraum von 21. bis zum 25. Juli 2.000 repräsentativ ausgesuchte Personen in Deutschland ab 18 Jahren in einer geschlossenen Online-Umfrage.

Pressekontakt:

YouGov Deutschland GmbH
Nikolas Buckstegen
Manager PR
Tel.: +49 (0) 221 42061-444
E-Mail: presse@yougov.de

Bild: dpa

Bitte lesen Sie unsere Community-Regeln, bevor Sie posten.