Warum die Deutschen beim Kauf von E-Autos so zögerlich sind

Warum die Deutschen beim Kauf von E-Autos so zögerlich sind
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Viele Deutsche glauben an die Zukunft von Elektroautos. Trotzdem ist das Kaufinteresse gering. Eine aktuelle Auswertung zeigt, welche Gründe in den Augen der Kunden für und gegen die Anschaffung sprechen.

Obwohl VW, Mercedes und Co. trotz des Diesel-Skandals immer noch viele Autos verkaufen, beschäftigen sich auch die deutschen Autobauer mit der Elektromobilität (siehe dazu auch die Kolumne der vergangenen Woche „Autobauer verlieren Ansehen – aber keine Kunden“). Manchmal könnte man den Eindruck bekommen, dass ihr Interesse daran nicht sehr groß ist, sie es aber trotzdem machen, weil sie keine Wahl haben.

Was ja auch relativ zweifelsfrei festzustehen scheint: Autos fahren in Zukunft elektrisch, unabhängig davon, ob die Energie in einem Akku oder in Form von Wasserstoff in einem Tank gespeichert wird. Schließlich müssen die Autobauer in Europa ihren Flotten-CO2-Ausstoß in Zukunft immer weiter senken. Und Windräder und Solaranlagen liefern nun mal Strom.

Dass die Autos der Zukunft mit Strom fahren, glauben auch die Verbraucher, wie aktuell das Zielgruppen-Analyse-Tool YouGov Profiles zeigt: Mit 55 Prozent stimmt die Mehrheit der Aussage zu, „Elektroautos sind ganz klar das Transportmittel der Zukunft“. Und unter denjenigen, die eine generelle Bereitschaft äußern, sich in den nächsten vier Jahren ein Elektroauto anzuschaffen, liegt die Zustimmungsrate sogar bei 80 Prozent.

Wie also könnte die Elektromobilität schneller in Schwung kommen als bisher? Daten aus YouGov Profileszeigen die aktuell wichtigsten Gründe für und gegen den Kauf eines Elektroautos – und wer an welcher Stellschraube drehen könnte:

Preis

Es klingt wie eine Binsenweisheit, denn Elektroautos waren schon immer deutlich teurer als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Das ist heute immer noch so, und der Preis ist immer noch ein wichtiges Kriterium für viele Menschen. Rund 90 Prozent der Verbraucher geben an, Elektroautos seien vergleichsweise teuer. Und falls die Unternehmen die Preise nicht freiwillig senken, gibt es noch eine andere Idee: 58 Prozent stimmen der Aussage zu, die staatlichen Zuschüsse seien zu gering. Unter denen, die sich den Kauf eines Elektroautos demnächst vorstellen können, sind es noch etwas mehr. Appell an Bund und Länder: Zuschüsse rauf.

Technik

Es ist inzwischen der Klassiker. Elektroautos haben eine deutlich geringere Reichweite als Verbrenner-Pkws, und das ist auch weiterhin der technisch wichtigste Grund, der Verbraucher daran hindert, ein Elektroauto zu kaufen. Was damit zusammenhängt und von ebenfalls deutlich mehr als der Hälfte der Befragten genannt wird: Zur nächsten Ladestation ist es zu weit. Und: Die Akkus brauchen zu lange, bis sie geladen sind.

Was die Daten aus YouGov Profiles belegen, ist ein Problem der Elektroauto-Technik, das die Hersteller seit Jahren versuchen zu lösen. Und es ist fraglich, ob sie es jemals zur Kundenzufriedenheit lösen werden. Die Physik setzt Grenzen: Ein Akku braucht (zurzeit) selbst bei Schnell-Ladestationen 30 bis 60 Minuten, bis er so weit geladen ist, dass Weiterfahren sinnvoll ist. An einer speziellen Ladedose zuhause liegt die Ladedauer bei zwei bis sechs Stunden.

Vielleicht werden irgendwann hochleistungsfähige Akkus entwickelt sein, die eine hohe Reichweite ermöglichen, schnell geladen und noch dazu bezahlbar sind. Falls nicht: Vielleicht setzt sich am Ende auch eine ganz andere Technik durch. Der Verbraucher scheint bei Reichweite und/oder Lademöglichkeiten jedenfalls wenig kompromissbereit zu sein.

Wasserstoff wäre eine Alternative, der ist deutlich schneller getankt als ein Akku geladen. Die Technik konnte sich bisher nicht durchsetzen, ist aber auch noch nicht aus dem Rennen.

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