Iberogast übersteht Diskussion um mögliche Leberschäden

Iberogast übersteht Diskussion um mögliche Leberschäden
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Das frei verkäufliche Magen-Arzneimittel Iberogast steht im Verdacht, unter bestimmten Umständen die Leber schädigen zu können. Langfristige Image-Schäden muss die Marke aber wohl nicht fürchten. 

Auf der von der Bayer Vital GmbH betriebenen Website, die das Magen-Darm-Arzneimittel „Iberogast“ vorstellt, ist inzwischen der Hinweis zu lesen, dass dieses in der Schwangerschaft und in der Stillzeit nicht eingenommen werden darf. Dieser Hinweis ist neu – genauso wie andere, mit denen das Mittel jetzt versehen werden muss.

Dem vorausgegangen waren Meldungen von Leberschäden, die durch das Magen-Darm-Mittel verursacht werden könnten. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte forderte deshalb von Hersteller Bayer schon länger, Iberogast mit entsprechenden Hinweisen zu versehen. Bayer widersprach, verwies auf das „unverändert hohe Nutzen-Risikoprofil“ und reichte Klage gegen den Bescheid vor dem Verwaltungsgericht Köln ein.

Vor einigen Wochen hatte Bayer dann nach einem Todesfall angekündigt, den Beipackzettel doch zu ändern und mit Hinweisen zu versehen, die über eine sehr seltene, aber doch mögliche Leberschädigung informieren.

Das alles waren für Bayer schlechte Nachrichten – das belegt der YouGov-Markenmonitor BrandIndex, genauer der Buzz. Er misst, ob die Befragten etwas Positives oder etwas Negatives über eine Marke gehört haben. Nach der Meldung über einen Todesfall, der wohl mit Iberogast im Zusammenhang steht, fiel der Buzz-Wert bei den Markenkennern, in den negativen Bereich, wodurch Iberogast gegenwärtig einen der niedrigsten Buzz-Scores der von uns getrackten freiverkäuflichen Magen-Darm-Produkte aufweist.

Auch der recht starke Einbruch der Kundenzahlen ist für Bayer erstmal eine schlechte Nachricht. Haben im September noch 51 von 1000 Deutschen kürzlich Iberogast gekauft, sind es aktuell noch 37  – ein Rückgang um 28 Prozent. Auch nehmen die Markenkenner aktuell die Qualität von Iberogast als etwas schlechter wahr als noch im August.

Image-Schaden nicht sehr groß

Doch allzu große Sorgen wird sich Bayer kaum machen müssen. Iberogast ist ein Produkt mit langer Tradition, das von vielen Menschen genommen wird. Und es zeichnet sich schon jetzt ab, dass der Schaden vermutlich nicht sehr nachhaltig sein wird.

Da wäre zum Beispiel der allgemeine Eindruck. Der ist aktuell zwar etwas schlechter als im Schnitt in den vergangenen zwölf Monaten  – allerdings bei Weitem nicht so sehr, wie man das vermuten würde, wenn es bei einem Arzneimittel darum geht, dass es, wenn auch nur unter sehr ungünstigen Umständen, wohl zum Tod führen kann. Und auch die Consideration  hat kaum gelitten. Diese gibt an, wie viele Kenner der Marke sich generell vorstellen können, das entsprechende Produkt zu kaufen. Der Wert hier liegt auf dem Stand von Anfang Februar.

Einer der Gründe, warum Bayer beziehungsweise die Marke Iberogast sozusagen glimpflich davonkommt, könnte sein: Die wenigsten haben von all dem überhaupt mitbekommen. Zwar ist die Attention so hoch wie seit Anfang 2017 nicht – doch absolut gesehen heißt das: Maximal 15,8 Prozent aller Kenner der Marke Iberogast haben kürzlich etwas über sie gehört. Und selbst von denjenigen, die kürzlich Iberogast gekauft haben, haben nur ungefähr die Hälfte auch etwas von der Marke in den Nachrichten oder von Freunden mitbekommen.

Und fragen wir eben diese – die Iberogast-Käufer –, ob sie sich vorstellen können, dieses Produkt generell wieder zu erwerben, sagt die überwiegende Mehrheit : Ja. Bezogen auf alle Deutsche geben aktuell 16 Prozent ein generelles Kaufinteresse an Iberogast an. Damit wird das Magen-Darmmittel nach wie vor häufiger genannt als etwa Buscopan, Imodium und Rennie.

So erschienen auf WirtschaftsWoche Online. 

Foto: Getty 

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