Warum die Postbank eine Marke wird

Warum die Postbank eine Marke wird
Von

Die Deutsche Bank integriert die Postbank noch stärker in ihre Unternehmensstruktur. Verbraucher zeigen sich bisher hierzu indifferent. Als Marke kann die Postbank trotz allem eine Imagepolitur gebrauchen.

Die Postbank hatte einmal viele Vorteile: flächendeckende Standorte, gute Konditionen und sogar im Ausland kam man als Kunde günstig an Devisen dank Postsparbuch. Doch das meiste davon braucht man als Kunde längst nicht mehr. Im Ausland benutzt man Euros oder zieht mit einer Kreditkarte Bargeld aus jedem beliebigen Automaten, die Filiale vor Ort wird für Online-Banking-Nutzer überflüssig.

Für die Postbank bedeutete das: Das Unternehmen musste plötzlich mit einem gewaltigen Overhead klarkommen. Das neueste Kapitel der andauernden Umstrukturierung: Seit 25. Mai ist sie keine eigene Aktiengesellschaft mehr, sondern nur noch eine Marke der „DB Privat- und Firmenkundenbank“. Ein guter Grund, genauer auf ihre Ergebnisse in einem Markenmonitor wie den YouGov BrandIndex zu schauen. 

Was sie zuletzt über die Marke Postbank gehört haben, ordnen Verbraucher derzeit zu gleichen Teilen als positiv und negativ ein. Der allgemeine Eindruck von der Marke hat sich in den letzten Tagen und Wochen nicht merklich verändert. Im Schnitt zeigen sich die täglich von uns repräsentativ Befragten also indifferent, was die Neuigkeiten über die Postbank angeht. Es ist schwer abzuschätzen, welche Auswirkungen die neue Unternehmensstruktur auf Kunden haben wird. Und es ist fraglich, ob die Nachricht überhaupt zu ihnen durchgedrungen ist. Denn beherrscht werden aktuelle Meldungen über die Postbank von Filialschließungen. 

Positive Entwicklungstendenz trotz aktuellem Imagedämpfer 

Jeder zehnte Standort soll geschlossen werden, und das schlägt sich im BrandIndex nieder. Die Qualitätsbewertung für die Postbank ging zuletzt zurück. Doch entlang einer längeren Zeitachse sieht es gar nicht so schlecht aus: Nach zuvor negativen Tendenzen bewertet seit Ende 2016 ein mehr oder weniger stetig wachsender Teil unserer Befragten die Qualität der Postbank als positiv. Auch der Eindruck vom Preis-Leistungs-Verhältnis, vom Image des Unternehmens als Arbeitgeber sowie die Kundenzufriedenheit erholen sich seitdem.

Geht die Strategie der Deutschen Bank also auf? Sie hatte die Postbank in den vergangenen zehn Jahren sukzessive übernommen. In der neuen „DB Privat- und Firmenkundenbank“ führt sie das Geschäft beider Banken nun zusammen. Für die Deutsche Bank ein Weg, um tausende Stellen einzusparen. Aber aus Verbrauchersicht hoffentlich auch ein Weg, um Produkte der Postbank-Marke wieder begehrt zu machen. Denn was die Zahl der Kunden und das Interesse von Nicht-Kunden angeht, hat die Postbank die positive Trendwende noch nicht geschafft.

Zweitgrößte Kundenbasis in Deutschland

Die nötige Marktmacht, um neue Ideen und Produkte durchzusetzen, hat das Konglomerat jedenfalls. Im BrandIndex geben insgesamt 17 Prozent der Deutschen an, aktuell Kunde bei Postbank oder Deutscher Bank zu sein. Auf einen größeren Bevölkerungsanteil kommen nur die Sparkassen, bei denen 38 Prozent aller Verbraucher ab 18 Jahren angeben, dass sie dort aktuell Finanzdienstleistungen in Anspruch nehmen. Ing-Diba und Volks- und Raiffeisenbanken erreichen je 15 Prozent.

Für die Postbank bietet sich hoffentlich jetzt die Gelegenheit, ihre Marktdurchdringung und ihre organisatorische Neuaufstellung zu nutzen, um die Trendwende auch bei den eigenen Imagewerten zu schaffen und auf diese Weise zu einer strahlkräftigen Marke zu werden.

So erschienen auf WirtschaftsWoche Online

Bild: dpa

Bitte lesen Sie unsere Community-Regeln, bevor Sie posten.