Warum Innogy nicht verschwinden sollte

Warum Innogy nicht verschwinden sollte
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Mit Innogy will Eon eine Marke übernehmen, die ein besseres Image hat als Eon selbst. Trotzdem dürfte das Aus für Innogy bevorstehen. Dabei hat die Marke in den nur zwei Jahren seit ihrer Gründung die Verbraucher in beeindruckender Weise überzeugt.

Innogy ist eine Erfolgsstory. Vielleicht nicht aus unternehmerischer Sicht – schließlich musste die börsennotierte RWE-Tochter im Dezember eine Gewinnwarnung herausgeben. Aber als Marke ist Innogy vom Start weg überraschend erfolgreich gewesen. Das belegen Daten aus dem BrandIndex, dem auf repräsentativen Verbraucherbefragungen basierenden Markenmonitor von YouGov. Denn laut BrandIndex ist das Image von Innogy stets besser gewesen als das von RWE und das von Eon, denjenigen Unternehmen also, die Innogy nun unter sich aufteilen wollen.

Im Gegensatz zu den Branchen-Dinos RWE und Eon schien Innogy seinem Namen gerecht zu werden und in den Augen der Verbraucher tatsächlich für einen Neuanfang zu stehen. Das zeigt sich etwa im Buzz. In dieser Kategorie fragen wir Kenner der jeweiligen Marken, ob sie wahrgenommene Nachrichten und Informationen über die Marke positiv oder eher negativ einordnen. Der Saldo der Nennungen war für Innogy über die zweijährige Existenz der Marke bis zuletzt stets positiv, während die Konzernmutter RWE eher für schlechte Neuigkeiten stand. Erst die Nachrichten über Verkauf und Aufsplittung des Unternehmens haben den Buzz von Innogy in den negativen Bereich der Skala fallen lassen. Der Buzz von Eon hat sich übrigens im Laufe der vergangen zwei Jahre leicht gebessert und ist von einem meist negativen Wert in 2016 auf einen leicht, aber seit Sommer 2017 konstant positiven Wert gestiegen.

Schon halb so bekannt wie RWE

Innogy hat es sogar geschafft, in Zeiten hoher Energiepreise für ein positives Preis-Leistungs-Verhältnis zu stehen. Das gelingt keinem anderen Großkonzern: RWE, Eon, Vattenfall und EnBW werden vom überwiegenden Teil der Verbraucher ein schlechteres Verhältnis von Preis und Leistung bescheinigt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass andere Töchter der Großkonzerne deutlich besser abschneiden als Innogy. Dem zu Eon gehörenden "E wie einfach", der EnBW-Marke Yello und vor allem RWEs Eprimo werden deutlich häufiger ein positives Preis-Leistungsverhältnis attestiert. Am stärksten verbinden Markenkenner ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis im Strommarkt übrigens mit Naturwatt, allerdings weist diese Marke nur eine geringe Bekanntheit auf.

Als Erfolg für Innogy darf auch gewertet werden, zu welcher Bekanntheit es die Marke in ihrer kurzen Lebensdauer gebracht hat. Zwar erreicht sie bei weitem nicht die im BrandIndex über 80 Prozent liegende Bekanntheit von RWE oder Eon, aber immerhin 39 Prozent der Deutschen sagen, sie kennen Innogy zumindest dem Namen nach. Auch wenn Innogy auf die große Kundenbasis von RWE zurückgreift, ist das ein beachtlicher Wert. Unter Verbrauchern, die Kunde von RWE waren oder sind, kennen mehr als 60 Prozent Innogy. Ironie der Geschichte: Im BrandIndex zeigt sich deutlich, dass die Berichterstattung über eine Neuaufteilung des Strommarkts zwischen RWE und Eon die Bekanntheit von Innogy noch einmal gesteigert hat.

Wenn Werbeexperten jetzt sagen, dass das bevorstehende Aus von Innogy ein Fehler sei, dann bestätigt der BrandIndex diese Sichtweise. Das Image der Marke kann sich sehen lassen. Lässt Eon sie verschwinden, besteht schlicht die nicht zu übersehende Gefahr, dass Verbraucher zu einer anderen Marke wechseln, die ein besseres Image hat als Eon.

So erschienen auf WirtschaftsWoche Online. 

Bild: dpa

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