Chinesen wünschen sich stärkeren Kampf gegen Klimawandel

Chinesen wünschen sich stärkeren Kampf gegen Klimawandel
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Eine YouGov-Umfrage in 15 Ländern zeigt eine weltweite Unterstützung von Maßnahmen gegen den Klimawandel. Die größte Zustimmung gibt es in China.

Ende des Jahres treffen sich Politiker aus der ganzen Welt in Paris. Bei der dortigen UN-Klimakonferenz soll ein Nachfolgevertrag für das Kyoto-Protokoll vereinbart werden – mit Klimazielen für alle 194 Mitgliedsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention. Viele Experten glauben, dass dies die letzte Chance ist, die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden.

Eine neue YouGov-Umfrage in 15 Ländern auf vier Kontinenten – darunter die beiden größten Verursacher von Treibhausgasen, USA und China, und sieben Mitgliedern der G-20-Gruppe der großen Volkswirtschaften untersucht, was die Menschen dort über den Klimawandel denken. Die Befragungen wurden zwischen dem 20. und 27. Mai durchgeführt. In Europa und den Vereinigten Staaten wurden die Zahlen gewichtet und stehen repräsentativ für alle Erwachsenen. In der Region Asien-Pazifik sind sie repräsentativ für die erwachsenen Online-Nutzer. Diese Beschränkung hat gerade in China eine gewissen Bedeutung. Denn dort ist die Internet-Nutzung in städtischen Gebieten sehr viel häufiger als auf dem Land, aber auch die Betroffenheit durch hohe Luftverschmutzung.

Der Weltklimagipfel

In allen untersuchten Ländern ist eine klare Mehrheit dafür, dass ihre Regierung eine „beim Setzen von ehrgeizigen Zielen eine Führungsposition einnehmen [sollte], um den Klimawandel so schnell wie möglich anzugehen“ oder „einen gemäßigteren Ansatz fahren und nur schrittweise Pläne zur Bewältigung des Klimawandels unterstützen“. Nur eine kleine Minderheit würde es in jedem der Länder bevorzugen, wenn gar kein Abkommen unterzeichnet wird.

Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Menschen in den untersuchten Ländern. So wünschen sich drei von fünf chinesischen Befragten (60 Prozent) eine führende Rolle für ihr Land, während dies in den USA nur 44 Prozent der Befragten tun. In Europa ist dieser Wunsch unter anderem in Frankreich (48 Prozent) und Deutschland (52 Prozent) besonders groß. Die Regierungen der beiden Länder hatten kürzlich angekündigt, eine solche Rolle in Paris einzunehmen.

Das Problem Klimawandel

Die allgemeine Besorgnis über den Klimawandel ist am größten in der asiatisch-pazifischen Region, die besonders anfällig ist für den Anstieg des Meeresspiegels und extreme Wetterverhältnisse.

82 Prozent in Indonesien betrachten den Klimawandel ein "sehr" ernstes Problem, 69 Prozent in Malaysia und 52 Prozent in China, dass damit regional im Mittelfeld liegt. In den untersuchten europäischen Ländern halten weniger Menschen den Klimawandel für sehr ernst. Die Deutschen sind noch verhältnismäßig häufig sehr besorgt (50 Prozent) und Briten sehr viel seltener (26 Prozent). Die US-Amerikaner liegen irgendwo in der Mitte der Europäer mit 38 Prozent „sehr besorgten“ Befragten.

Politische Maßnahmen

In Ländern, in denen die Sorge um den Klimawandel sehr verbreitet ist, gibt es tendenziell auch häufiger den Wunsch nach politischen Maßnahmen auf nationaler Ebene. Allerdings ist der Zusammenhang nicht direkt. Möglicherweise werden die bisherigen Anstrengungen in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich bewertet.

Etwas mehr als die Hälfte der Amerikaner (51 Prozent) glaubt nicht, dass die US-Regierung genug gegen den Klimawandel tut. Dies ist höher als der europäische Mittelwert von 45 Prozent. Allerdings liegt in den USA die Zahl derer, die glauben, die Regierung täte zu viel mit 21 Prozent niedriger als in Europa. In Dänemark, die Heimat der gescheiterten Klimakonferenz 2009, wünschen sich nur 37 Prozent zusätzliche Maßnahmen der Regierung. In Deutschland tun dies 57 Prozent der Befragten, in Frankreich 58 Prozent.

Auch hier ist der Wunsch nach mehr Einsatz in Asien wesentlich größer: 86 Prozent der Befragten in China sagen, dass mehr getan werden muss, um das Problem Klimawandel anzugehen. In Indonesien tun dies 85 Prozent, in Malysia 81 Prozent.

 

Folgen

Während im Dezember letztendlich die Politiker klären müssen, ob und wie sie ein neues Abkommen erreichen, ist der überwiegende Teil der Bevölkerung in den befragten Ländern für einen neuen Deal. Mehr noch: In fast allen von ihnen wünscht sich ein großer Teil der Bevölkerung von der jeweiligen Regierung, eine führende Rolle einzunehmen. Ein Scheitern des Pariser Gipfels würde wohl mit Enttäuschung in weiten Teilen der Welt aufgenommen werden.

Die europäischen Daten wurden im Rahmen des aktuellen YouGov Eurotrackers erhoben. Dafür wurden insgesamt 7230 Personen vom 20. bis 27. Mai 2015 repräsentativ befragt: 1667 Briten, 1016 Deutsche, 1004 Franzosen, 1009 Dänen, 1010 Schweden, 970 Finnen and 554 Norweger. In Deutschland wurde die Befragung im Rahmen des YouGov Omnibus durchgeführt.

Foto: Nasa

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