Verschwindet bald der nächste Baumarkt?

Verschwindet bald der nächste Baumarkt?

Karl-Erivan Haub hat leicht reden. In einem Interview mit der Zeitung „Die Welt“ sagte er: In Deutschland gibt es zu viele Baumarkt-Ketten. Er rechnet nach den Praktiker- und Max-Bahr-Pleiten mit einer weiteren Marktkonsolidierung. Er wird wissen, dass es seine Baumarkt-Kette so schnell nicht treffen wird. Dem Chef der Tengelmann Warenhandelsgesellschaft und seiner Familie gehören zu 74 Prozent die Obi-Baumärkte in Deutschland. Und Obi hat zurzeit von allen Baumarkt-Ketten die meisten Kunden.

Der Markenmonitor BrandIndex des Marktforschungsinstituts YouGov zeigt: 18 Prozent aller Deutschen kaufen derzeit bei Obi ein. Dann folgt der Toom-Baumarkt mit zehn Prozent. Auch ist Obi in der BrandIndex-Gesamtbewertung die beliebteste Marke. Die Tengelmann-Tochter erreicht im Index +27 Punkte (auf einer Skala von -100 bis +100) – ein ordentlicher Wert, nicht nur im Vergleich zu den Mitbewerbern. Bauhaus und Hornbach kommen auf +25 Punkte.

Hellweg bildet zurzeit das Schlusslicht der Liste und macht sich damit angreifbar: Der Baumarkt erreicht den niedrigsten Wert im Gesamtimage von allen Baumarktketten mit Filialen, ihm wird die schlechteste Qualität bescheinigt und das schlechteste Preis-Leistungs-Verhältnis. Auch geben nur drei Prozent aller Deutschen an, Kunde von Hellweg zu sein - was vor allem daran liegen dürfte, dass der Baumarkt nicht im gesamten Bundesgebiet vertreten ist, sondern sich auf das Rhein-Ruhr-Gebiet und den Berliner und Leipziger Raum konzentriert. Das erklärt aber nicht die vergleichsweise schlechte Platzierung auf wichtigen Kriterien, die ihm von Kennern der Marke bescheinigt wird.

In bestimmten Kategorien hat auch die Rewe-eigene Baumarktkette Toom Steigerungspotential. Im Bereich Qualität zum Beispiel liegt Toom zusammen mit Hellweg hinter allen anderen Baumärkten. Doch die Marke hat auch ihre Stärken. So ist sie die Baumarktkette mit den zweitmeisten Kunden. Und diejenigen, die bereits bei Toom gekauft haben, bewerten die Marke zudem überwiegend positiv. Mit +33 Punkten liegt die Rewe-Tochter in dieser Kategorie zwischen Obi und Hagebaumarkt. Auch hat sie es geschafft, dass viele Menschen über die Marke sprechen: Sechs Prozent aller Deutschen geben an, sich in den vergangenen zwei Wochen über Toom unterhalten zu haben. Nur Obi erreicht hier einen besseren Wert. Viele überwiegend zufriedene Kunden, die sich über die Marke unterhalten – das ist eine gute Ausgangslage für die weitere Entwicklung von Toom.

Obi, Bauhaus und Hornbach stehen in allen Kategorien ziemlich gut da. Vielleicht kein Zufall: Sie sind auch führend in Sachen Werbung. Die meisten Befragten geben an, von diesen drei Marken in den vergangenen zwei Wochen Werbung gesehen zu haben.

Von erfolgreicher Werbung abgesehen: Die Branche hat sich generell gut entwickelt. In einem Jahr haben Obi in der Gesamtimagewertung vier Punkte zugelegt, Bauhaus, Hornbach und Toom drei, Hagebaumarkt immerhin zwei Punkte. Ähnliche Entwicklungen sind in den Kategorien Qualität und allgemeiner Eindruck zu verzeichnen. Die Zuwächse sind signifikant – sie widersprechen der These, dass die Baumarkt-Branche gesättigt oder sogar übersättigt ist. Und es entsteht sogar noch mehr Konkurrenz: Zum einen der Online-Shop Baumarkt Direkt, hinter dem der Otto-Konzern und Hagebau stehen. Er hat noch sehr wenige Kunden, aber die Beliebtheit steigt: Von +6 Punkten Anfang Juni auf aktuell +12 im Index.

Zum anderen versucht sich eine britische Baumarktkette auf deutschem Terrain. Im Rhein-Main-Gebiet haben die ersten vier Märkte von Screwfix eröffnet. Screwfix wird jedoch eher in indirekter Konkurrenz zu den deutschen Baumärkten stehen. Wer dort einkaufen will, muss wissen, was er sucht. Denn die Bestellung wird am Tresen oder online aufgegeben, Mitarbeiter stellen sie dann zusammen. Es soll eine ausführliche Beratung zu den Produkten, nicht jedoch zu Bauprojekten geben. Die Baumarkt-Kette erreicht in Großbritannien einen Index-Werte von +27 Punkten und ist damit dort so beliebt wie Obi in Deutschland.

Ob Screwfix und Baumarkt Direkt einmal Obi, Bauhaus und Co. Konkurrenz machen können? Davon ist auch im Baumarkt-Segment auszugehen. Es bleibt also spannend im deutschen Baumarkt-Segment. Immerhin haben alle bis auf Toom schon einen Online-Shop, über den sie Produkte aus dem eigenen Sortiment verkaufen.

Zur vollständigen WiWo-Kolumne gelangen Sie hier.

Bild: PA Images

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