Einwanderungspolitik: Die Anderen wirken immer strenger

Einwanderungspolitik: Die Anderen wirken immer strenger
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Die britische Einwanderungspolitik wird in anderen Ländern als besonders streng wahrgenommen. Daheim geht es ihr aber wie der deutschen und französischen Politik.

Die Zuwanderung nach Europa ist hoch wie nie. Alleine bis zu 800.000 Asylsuchende erwartet die deutsche Bundesregierung hierzulande in diesem Jahr – dazu kommen noch zehntausende andere Menschen – zum großen Teil aus Staaten der EU – die in Deutschland eine neue Heimat finden. Und auch in anderen Ländern werden die erwarteten Zuwanderungszahlen regelmäßig nach oben korrigiert – auch im Vereinigten Königreich.

Dort kommt allerdings die große Mehrzahl der Migranten aus der EU, das Land hat zum Beispiel nur 1 Prozent der syrischen Flüchtlinge aufgenommen, die es nach Europa geschafft haben. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, weshalb die Einwanderungspolitik des Vereinigten Königreiches in anderen nordeuropäischen Ländern als besonders streng wahrgenommen wird – wenn auch nicht im eigenen Land.

Das ist das Ergebnis einer Untersuchung im Rahmen des YouGov Eurotrack in insgesamt sieben Ländern. Im Gesamtschnitt ist das Vereinigte Königreich das einzige Land, dessen Einwanderungspolitik in den übrigen Ländern deutlich häufiger (48 Prozent) als streng angesehen wird als als locker (29 Prozent). Über die Politik Frankreichs herrscht Uneinigkeit: 37 Prozent der befragten Nicht-Franzosen beschreiben sie als locker, 38 Prozent als strikt.

In der Auswertung wurden für Deutschland, Großbritannien und Frankreich jeweils die Befragten im eigenen Land herausgerechnet, um nur die Fremdwahrnehmung aufzuzeigen. Denn die Wahrnehmung der Politik im eigenen Land ist oft trügerisch.

So sehen 61 Prozent der Briten die Einwanderungspolitik des Vereinigten Königreiches als locker an, 67 Prozent der Franzosen die Französische und 69 Prozent der Deutschen die Deutsche. In allen der drei Ländern wird die Politik überall sonst als strenger wahrgenommen.

Dass die Wahrnehmung vieler Menschen nicht unbedingt mit der Realität übereinstimmt, zeigt auch ein anderer Teil der Untersuchung. Dabei wurden die Befragten gebeten, zu schätzen, wie viele Zuwanderer im Vergleich zum Rest Europas in ihr Heimatland kommen.

Vergleicht man nun die Antworten mit Zuwanderungszahlen von Eurostat - die zwar zwei Jahre alt sind, aber trotzdem einen guten Überblick liefern -, fallen insbesondere zwei Länder auf. Während nach Norwegen besonders viele Menschen einwandern (pro 1.000 Einwohnern), ist der Eindruck von 57 Prozent der Norweger ein anderer. Ein ebenso großer Anteil der Franzosen hat das Gefühl, dass in sein Heimatland besonders viele Menschen einwandern – auch wenn die Eurostat-Zahlen etwas anderes sagen.

80 Prozent der deutschen Befragten und 82 Prozent der Befragten in Schweden sagen, dass die Zuwanderung zu ihnen besonders groß sei. Damit liegen sie laut den Eurostat-Zahlen richtig – insbesondere in Schweden. Dort hatte kürzlich eine YouGov-Umfrage erstmals die Schwedendemokraten, eine rechtspopulistische Partei, die die Zuwanderung stark einschränken will, vorne gesehen. Allerdings wird in Schweden erst 2018 wieder eine neue Regierung gewählt.

Im Rahmen des YouGov Eurotrack wurden 8398 Menschen in Großbritannien, Deutschland Frankreich, Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen zwischen dem 21. und 25. August 2015 befragt. In Deutschland fand die Befragung auf Basis des YouGov Omnibus statt.

Foto: isoimages/Demotix/Press Association Images

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