Europas Wähler wollen Großbritannien in der EU halten

Europas Wähler wollen Großbritannien in der EU halten
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Für einige von David Camerons Forderungen gibt es eine Mehrheit bei den Menschen in anderen Ländern. Nur „Zugeständnisse“ sollte man sie nicht nennen.

Die Menschen in mehreren europäischen Ländern möchten das Vereinigte Königreich in der Europäischen Union (EU) halten. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage im Rahmen des YouGov Eurotrack. Dabei sprach sich in vier von sechs untersuchten Ländern eine breite Mehrheit gegen einen „Brexit“ aus. In den beiden anderen war das Ergebnis knapper. Doch auch dort tendieren die Menschen dazu, dass die Briten in der EU bleiben sollten.

Am Donnerstag hat Premierminister David Cameron beim EU-Gipfel noch einmal über seine EU-Reformpläne gesprochen, während fast zeitgleich Königin Elisabeth II bei ihrem Deutschland-Besuch vor einem Auseinanderbrechen Europas warnte.

Besonders groß ist die Zahl der Befürworter eines Verbleibs Großbritanniens in den skandinavischen EU-Ländern Dänemark (61 Prozent), Schweden (58 Prozent) und Finnland (66 Prozent) – und in Deutschland (59 Prozent). In allen vier Ländern ist der Anteil derer, die wollen, dass das Vereinigte Königreich die EU verlässt, kleiner als ein Viertel der Befragten.

In Deutschland hatte YouGov die gleiche Frage Anfang Juni schon einmal gestellt. Auch damals waren knapp drei Fünftel der Befragten (58 Prozent) für einen Verbleib des Königreiches in der EU.

Relativ viele Brexit-Befürworter gibt es dabei in Frankreich (34 Prozent) und Norwegen (32 Prozent), dem einzigen Nicht-EU-Land, in dem die Befragung durchgeführt wurde.

Zugeständnisse

Aber selbstverständlich wird es nicht von den Wählern Deutschland, Frankreich oder Skandinavien abhängen, ob das Vereinigte Königreich auf Dauer Teil der EU bleibt oder nicht. Dies soll in einer Volksabstimmung unter den Briten im übernächsten Jahr entschieden werden.

Worauf die übrigen 27 EU-Mitgliedsländer allerdings Einfluss haben ist, wie mit den Wünschen nach einer EU-Reform umgegangen wird. Die Umfrage kommt dabei zu dem Ergebnis, dass es in den untersuchten Ländern nur wenig Unterstützung für „erhebliche Zugeständnisse“ an die Briten gibt. Vor allem in Finnland (49 Prozent), Frankreich(48 Prozent) und Deutschland (44 Prozent) sagen große Teile der Bevölkerung, dass es gar keine Zugeständnisse geben soll.

Das ist allerdings nicht die ganze Geschichte. Denn wenn David Camerons Reformwünsche einzeln abgefragt werden, erhalten einige von ihnen erhebliche Unterstützung. Einer Erklärung könnte sein, dass diese Wünsche auch bei den Befragten selbst vorhanden sind. Darauf deutet auch hin, dass immer die Unterstützung noch größer ist, wenn es um das eigene Heimatland geht.

In Deutschland zum Beispiel sind 43 Prozent dafür, dass Großbritannien Einwanderer ausweisen darf, die nach sechs Monaten keine Arbeit gefunden haben. Dass Deutschland dies dürfen soll, sagt hingegen gut die Hälfte (51 Prozent). Nur 41 Prozent der Finnen wollen, dass das Vereinigte Königreich eine Vier-Jahres-Wartefrist einführen darf, bevor EU-Migranten zum Beispiel Arbeitslosengeld in Anspruch nehmen dürfen, für das eigene Land würden dies aber 56 Prozent unterstützen. Der beliebteste Vorschlag ist allerdings der, die Zahlung von Kindergeld für außerhalb des Landes lebende Kinder zu stoppen. 71 Prozent der Dänen sind dafür, dies auf der Insel einzuführen. Für Dänemark selbst sind sogar 78 Prozent dafür.

(Klicken Sie hier, um die Grafik größer anzuzeigen.)

Alle drei Vorschläge sind auch in Großbritannien selbst sehr populär, jeder wird von mehr als vier von fünf Befragten unterstützt.

Die Studie enthält auch eine Variante der Referendums-Frage. Demnach würden 44 Prozent der Briten (Deutschland: 60 Prozent) für einen Verbleib stimmen. Dies deckt sich in etwa mit anderen YouGov-Umfragen in Großbritannien, die den aktuellen Referendumstext verwenden.

Für den aktuellen YouGov Eurotracker wurden insgesamt 7861 Personen vom 19. bis 24. Juni 2015 repräsentativ befragt: 1653 Briten, 1648 Deutsche, 1004 Franzosen, 1008 Dänen, 1011 Schweden, 974 Finnen und 563 Norweger. In Deutschland wurde die Befragung im Rahmen des YouGov Omnibus durchgeführt.

Fotos: Virginia Mayo/AP/Press Association Images / Kirsty Wigglesworth/AP/Press Association Images (Umfragebild)

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