Klassischer Buchhandel erreicht junge Käufer

Klassischer Buchhandel erreicht junge Käufer

„Es gibt eine Rückbesinnung auf den stationären Buchhandel“, sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller, als in Frankfurt diese Woche die Umsätze 2014 des deutschen Buchmarkts vorgestellt wurden. Obwohl alles immer digitaler wird, verliert der Online-Buchhandel zum zweiten Mal hintereinander Marktanteile. Amazon bestimmt mittlerweile den Buchhandel. Der Online-Händler verkauft zwar nicht nur Bücher, aber ein Großteil der verkauften Bücher wird von ihm verkauft. Und tatsächlich: In den USA, in Großbritannien und in Deutschland kaufen Kunden nicht nur fleißig bei Amazon, es gibt dort auch keinen anderen Buchhändler, der ein besseres Image hat als Amazon – angesichts von Streiks und Berichten über miserable Arbeitsbedingungen nicht selbstverständlich.

Auf der YouGov-BrandIndex-Skala (von -100 bis +100 Punkte) kommt Amazon bei den Markenkennern in den USA auf +65 Punkte. Das ist ein sehr hoher Wert, der zu den besten überhaupt im BrandIndex gehört. Amazon in Großbritannien erreicht ebenfalls sehr gute +44 Punkte, in Deutschland liegt der Online-Händler bei +35 Punkten.

Waterstones finden die jüngeren gut

Doch in den drei Ländern gibt es jeweils mindestens einen stationären Buchhändler, der im BrandIndex mit Amazon annähernd mithalten kann. Auffällig ist: In den USA und Großbritannien ist es genau jeweils einer, nämlich Barnes & Noble bzw. Waterstones. Die Verbraucher bescheinigen diesen Buchhändlern mit +53 bzw. +38 Punkten ein gutes Image – doch der Abstand zu Amazon bleibt deutlich. In Deutschland ist er knapper. Die Mayersche Buchhandlung liegt mit +32 Indexpunkten nur drei hinter Amazon.

Während sich in den USA die naheliegende Vorstellung – zumindest tendenziell – bestätigt, dass Amazon besonders bei den jüngeren (18-34 Jahre) und Barnes & Nobles eher bei den älteren (50+) beliebt ist, ist es in Großbritannien genau umgekehrt: Amazon bekommt von den älteren die meisten Punkte. Den „richtigen“ Buchhändler Waterstones finden dagegen vor allem die jüngeren gut. Das zeigt sich auch bei der Kaufentscheidung: Diejenigen, die sich am ehesten vorstellen können, bei Waterstones einzukaufen, sind die 18- bis 34-Jährigen. In Deutschland ist die Situation ähnlich: Hier sind es immer die jüngeren Verbraucher, die die Marken Amazon, Mayersche und Thalia jeweils am besten bewerten. Das passt zu der Einschätzung von Heinrich Riethmüller.
Nicht erfasst wird im Brandindex allerdings die Einkaufsfrequenz: So muss das bessere Image nicht zwangsläufig zu höheren Umsätzen führen.
Und die Frage, wie viel die jungen Menschen heute überhaupt noch lesen – oder doch lieber Youtube schauen und auf WhatsApp chatten - bleibt ebenfalls offen. Lt. einer YouGov-Umfrage aus dem Oktober 2014 lesen 54% der 18-24 Jährigen gerne. Bei den Älteren Bürger über 55 Jahre sind das aber 66%.

Höhere Qualität als Amazon

In einer Kategorie haben Waterstones aus Großbritannien und Mayersche aus Deutschland ein Alleinstellungsmerkmal: die Qualität. Die Verbraucher stufen sie (über alle Altersklassen hinweg) höher ein als die von Amazon. Allerdings ist der Vorsprung nicht sehr groß. Noch im April lag Amazon in beiden Ländern vor den Buchhändlern.

So schwer Amazon es den reinen Buchhändlern durch Komfort, Kundenbindung (Prime) und im Ausland auch Preisdruck macht: Dass die Kunden etwa Waterstones und Mayersche eine höhere Qualität als Amazon bescheinigen und diese Marken die junge Zielgruppe durchaus erreichen, zeigt, dass neben dem Mega-Kaufhaus Amazon auch andere Buchhändler gute Chancen haben, am Markt zu bestehen.

Die vollständige Kolumne finden Sie hier.

Bild: dpa

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