Wertvorstellungen von Bürgern und Politikern driften auseinander

Wertvorstellungen von Bürgern und Politikern driften auseinander

Zwischen den Wählern und ihren Vertretern in den Parlamenten gibt es eine deutliche Kluft: Ihr Verständnis von Werten – also dem, woran sich die Menschen bei ihrem Zusammenleben orientieren – ist deutlich verschieden. Dies zeigen die zentralen Ergebnisse der YouGov-"Wertestudie 2013" in Kooperation mit der gemeinnützigen Wissenschaftsstiftung Change Centre Foundation.

Bei allen Unterschieden sind sich Bürger und Abgeordnete einig, wenn auch auf unterschiedlichem Niveau: Die Bedeutung von Werten hat in den letzten Jahren abgenommen. Mehr als die Hälfte der Bürger (52 Prozent) gibt dies an und immerhin 40 Prozent der Mandatsträger.

Vor dem Hintergrund der Wahlen im September 2013 stellt sich die Frage nach der Werte-Übereinstimmung zwischen der Bevölkerung und ihren Vertretern drängender denn je. Hier zeigt die Studie deutliche Unterschiede auf. Die Politiker halten eher die Gemeinschaftswerte wie "Gerechtigkeit" (Topwert mit 63 Prozent Zustimmung) "Toleranz" (55 Prozent), "Freiheit" (53 Prozent) und "Solidarität" (51 Prozent) für wichtig. "Es sieht so aus, als ob viele Politiker vor ihrer Antwort in den Parteiprogrammen geblättert hätten, so abstrakt sind die genannten Werte", sagt Professor Joachim Klewes von Change Centre Foundation. "Gerechtigkeit ist für alle Volksvertreter der Top-Wert. Allerdings wird das Ergebnis durch die extrem hohe Gerechtigkeitspräferenz der Linken, Grünen und SPD nach oben gezogen", ergänzt Holger Geißler von YouGov.

Dagegen richten sich die von den Bürgern bevorzugten Werte ohne große Schwankungen zwischen den Erhebungsjahren 2011 und 2013 eher auf die konkreten Qualitäten des Zusammenlebens. Im Unterschied zu den Volksvertretern erreicht bei den Bürgern keiner der wichtigsten Werte die 50 Prozent-Schwelle. Den Bürgern sind Werte wie "Respekt" (44 Prozent), „Gerechtigkeit“ (43 Prozent) und "Ehrlichkeit" (41 Prozent) wichtig, dicht gefolgt von "Familie" (39 Prozent). "Natürlich wollen die Bürger auch Gerechtigkeit, aber unmittelbar flankiert von Respekt und Ehrlichkeit – also Werten, die viel stärker auf den Umgang miteinander zielen", sagt  Professor von Alemann, Politikwissenschaftler an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität. Ein weiterer Befund der Studie deutet darauf hin, dass der Wert "Respekt" von Frauen wesentlich stärker präferiert wird als von Männern - im Unterschied zum Wert "Freiheit".

Für die repräsentative Studie wurden im Juni und Juli 2.075 Bundesbürger und 1.061 Abgeordnete auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene befragt.

Die vollständige Pressemitteilung finden Sie hier.

Bild: dpa

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