Grundstücksenteignungen zur Schaffung von Wohnraum? Die Hälfte der Bundesbürger lehnt dies ab

Grundstücksenteignungen zur Schaffung von Wohnraum? Die Hälfte der Bundesbürger lehnt dies ab
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In vielen deutschen Städten und Regionen nimmt seit Jahren der Mangel an bezahlbaren Wohnungen zu. Eine aktuelle YouGov-Umfrage zeigt, ob Enteignungen aus Sicht der Deutschen eine Lösung des Problems sein können.

Seit Anfang April bekommt diese politisch hitzig geführte Auseinandersetzung neues Feuer: In Berlin startet die Bürgerinitiative „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ und der Tübinger Bürgermeister Boris Palmer sorgt mit seinem Vorhaben Grundstückseigentümer zum Verkauf ihrer Flächen zwingen, wenn sie diese nicht bebauen, öffentlich für Diskussionen. Zuletzt hatte Juso-Chef Kevin Kühnert mit seiner Sozialismus-Debatte, der Vergesellschaftung von Konzernen und der Beschränkung von Wohneigentum, eine heftige Kontroverse hervorgerufen. Doch jeder zweite Deutsche (50 Prozent) lehnt ein solches Enteignungsverfahren ab. Etwa ein Drittel befürwortet diese Möglichkeit, um den Wohnungsmangel in Deutschland zu bekämpfen.

Die meisten Befürworter von Grundstücksenteignungen finden sich unter den Anhängern der Linken

Die meiste Akzeptanz für die Enteignung bauunwilliger Grundstückseigentümer findet sich mit 54 Prozent unter Anhängern der Partei Die Linken. Es folgen die Anhänger von SPD mit 45 Prozent und auch jeder vierte Grünen-Anhänger steht der Idee positiv gegenüber (43 Prozent). Auf Ablehnung treffen die Wohnraumschaffung durch Grundstücksenteignungen vor allem unter den Anhängern der FDP (56 Prozent), aber auch in den Lagern von AfD (61 Prozent) und CDU/CSU (59 Prozent) steht man dem Thema mehrheitlich ablehnend gegenüber.

Je älter desto größer ist die Ablehnung

Mit Blick auf das Alter sind es eher die über 55-Jährigen, die Enteignungen zur Linderung der Wohnungsnot ablehnen (54 Prozent vs. 41 Prozent bei den 18- bis 24-Jährigen). Auch mit der Höhe des Einkommens steigt die Ablehnung an. So halten Personen mit einem Haushaltseinkommen von mehr als 3.000 Euro die Überführung von privatem Grundbesitz in Staatseigentum für negativ (66 Prozent). Liegt das Einkommen unter 1.500 Euro lehnen nur 45 Prozent die Verstaatlichung von Grundbesitz für den Wohnungsbau ab. Betrachtet man auch die unterschiedliche Position der Geschlechter zu diesem Thema, so findet jeder vierte Mann (37 Prozent) findet die mögliche Entprivatisierung von Grundbesitz gut, um so Flächen für neuen Wohnraum zu schaffen; unter den Frauen tun dies nur 28 Prozent.

Auf Basis des YouGov Omnibus wurden 6.371 Personen vom 30.04. bis 02.05.2019 befragt. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

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