Trotz Wahlaufrufe: Fritz-Kola im Regal nur selten erste Wahl

Trotz Wahlaufrufe: Fritz-Kola im Regal nur selten erste Wahl
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Die Marke Fritz-Kola hat sich eine Zielgruppe aufgebaut, die Unternehmen mit Haltung schätzt – und äußert sich auch im Bundestagswahlkampf. Doch das Produkt selbst überzeugt viele Einkäufer noch nicht.

Für die meisten Marken ist die Bundestagswahl kein Thema. Sie halten sich vom Wahlkampf lieber fern. Die Hamburger Getränkemarke Fritz-Kola ist da eine Ausnahme. Das Unternehmen plakatiert großflächig in deutschen Städten: „Manipuliere die Wahl“. Was provokant klingt, ist ein simpler Aufruf zur Stimmabgabe – und dürfte der Zielgruppe der Marke gefallen: Fast drei Viertel derjenigen Konsumenten, die sich vorstellen können, Fritz-Kola zu kaufen, schätzen es, wenn Marken zu gesellschaftlichen Fragen Position beziehen. Das zeigen Umfragedaten aus YouGov Profiles.

Insofern kann das neu aufgestellte Marketingteam, das sich jetzt in die Bereiche Brand Management, Events & Experiential Marketing, Digital Marketing, International Marketing, Corporate Communication und PR & Sustainability unterteilt, da nahtlos anschließen. Auch dass die im YouGov BrandIndex täglich gemessene Werbewahrnehmung von Fritz-Kola in den vergangenen Wochen auf einen neuen Jahreshöchstwert gestiegen ist, sollte dem neuen Team den Einstieg erleichtern. Doch es gibt auch einiges an Optimierungspotenzial.

So kennen nur zwei Drittel der Deutschen die Marke Fritz-Kola zumindest dem Namen nach. Damit liegt sie gut sechs Prozentpunkte hinter Bionade. Und selbst wer die Marke kennt, wird noch lange nicht zum Kunden. Die wohl größte Hürde bei der Kundengewinnung dürfte die Wahrnehmung des Preis-Leistungs-Verhältnisses sein.

Besondere Aufmerksamkeit des Marketings verdienen Verbraucher, die schon heute prinzipiell in Betracht ziehen Fritz-Kola zu kaufen. Der Saldo der Positiv- und Negativnennungen führt auf unserer Skala von -100 bis +100 Punkten nur zu einem Wert von +45. Damit liegt die Fritz Kola im Preis-Leistungs-Verhältnis knapp hinter dem Original Coca-Cola.

Dabei scheint es nicht am Preis allein zu liegen. Wer sich für Fritz-Kola begeistern kann, gibt ohnehin eher viel Geld für alkoholfreie Getränke aus – oft mehr als 50 Euro pro Monat. Und 66 Prozent von ihnen sagen, sie seien gerne bereit für hochwertige Produkte mehr Geld auszugeben.

Essen und Umwelt sind wichtig

Mit Kampagnen wie „Trink aus Glas“ für Mehrwegflaschen und „Pfand gehört daneben“ um Flaschensammler zu unterstützen, hat Fritz-Kola Haltung bewiesen. Bei welchen Menschen die Marke damit für Aufmerksamkeit gesorgt hat, zeigt sich beispielsweise an den Ernährungsgewohnheiten der potenziellen Kunden: Unter ihnen ist Anteil an Vegetariern und Veganern um mehr als 50 Prozent höher als in der Gesamtbevölkerung. Generell zeigt sich in der Zielgruppe der Marke ein deutlich gesteigertes Bewusstsein für Umwelt- und Klimaschutz.

Ein wichtiger Kanal ist für Fritz-Kola die Gastronomie. Das passt zu unseren Daten: 61 Prozent der Fritz-Kola-Interessierten sagen, dass Essen für sie ein wichtiger Teil ihres Lebens ist, für 13 Prozent ist es sogar eines der wichtigsten Dinge. Ihren Wocheneinkauf macht die Zielgruppe der Marke im Vergleich zur Gesamtbevölkerung eher bei Rewe und seltener bei Netto oder Lidl.

Fritz-Kola spricht eine Zielgruppe an, die gerade an Bedeutung und Einfluss gewinnt. Diese schätzt die Haltung und das Engagement der Marke. Jetzt gilt es, ihr das konkrete Produkt, die Kola, stärker schmackhaft zu machen.

So erschienen in der WirtschaftsWoche Online.

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