Wie sich das Image der Bundesliga-Manager entwickelt hat

Wie sich das Image der Bundesliga-Manager entwickelt hat
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Beim VfB Stuttgart machte die Trainerwahl den Unterschied, bei Eintracht Frankfurt und dem FC Bayern München irgendwie auch. Weiterer Sieger ist der FC Schalke 04.

Offiziell ist der Hamburger SV bis zum 30. Juni dieses Jahres noch Mitglied der 1. Fußball-Bundesliga. Bis dahin kann die große Stadionuhr des vermeintlich unabsteigbaren Dinos, den es nun doch nach über 54 Jahren erwischt hat, also weiterhin die ununterbrochene Zugehörigkeit zur höchsten Spielklasse im deutschen Fußball anzeigen. Was dann genau aus der Uhr und dem Dino-Maskottchen „Hermann“ des HSV wird, wird bereits heftig diskutiert.

Für Fußball-Interessierte in Deutschland erreichten die Hamburger gemäß unseren täglichen Befragungen in der abgelaufenen Saison ihren kommunikativen Tiefpunkt Mitte März, als HSV-Trainer Hollerbach nach einem sehr kurzen Gastspiel an der Seitenlinie schon wieder von der Vereinsführung geschasst wurde. Knapp 46 Prozent aller repräsentativ Befragten ab 14 Jahren, die sich laut Selbsteinschätzung mindestens ein wenig für Fußball interessieren, bestätigten uns zu diesem Zeitpunkt, dass sie etwas Positives oder Negatives über den Verein wahrgenommen hatten. Und in Bezug auf unsere Frage, ob man den Verein mit einem guten oder schlechten Management verbinde, fiel der HSV auf seinen saisonalen Tiefpunkt von -44 Scorepunkten, auf einer möglichen Skala von -100 bis +100 Scorepunkten.

Mit der Verpflichtung von Christian Titz als Trainer konnte zwischenzeitlich zwar wieder Euphorie ausgelöst werden, Ende April erholte sich der Score des HSV merklich bei unserer Frage zum wahrgenommenen aktuellen sportlichen Erfolg des Vereins. Doch am Ende reichte auch dies nicht und der Abstieg der Hamburger stand endgültig fest. Jeder dritte Fußballinteressierte gab uns nach dem 34. beziehungsweise letzten Spieltag der Saison entsprechend die Antwort, dass er oder sie in den letzten zwei Wochen mit anderen über den Verein gesprochen haben. Zum Vergleich: Beim 1. FC Köln waren es zu diesem Zeitpunkt nur rund 17 Prozent aller Fußballinteressierten, der Verein mit seinem Abstieg folglich nicht mehr so ein Gesprächsthema, der Drops war hier offensichtlich einfach schon gelutscht. Solche Daten zu den Bundesliga-Vereinen sowie zu ausgesuchten internationalen Spitzenclubs liefert uns der FootballIndex von YouGov, ein Schwesterprodukt zu unserem kontinuierlichen Markenmonitor BrandIndex, über dessen Ergebnisse wir in dieser Kolumne üblicherweise berichten.

Beim Kölner FC läuft es eben spürbar anders, wie der Verein es für sich auch offiziell beansprucht. Im Kölner Rheinenergie Stadion sollte man vielmehr aktuell eine Uhr aufhängen, mit der die Sekunden bis zum Wiederaufstieg des 1. FC Köln in die Bundesliga runtergezählt werden, könnte man meinen. Auch wenn Fanlieblinge wie Leonardo Bittencourt inzwischen gen Hoffenheim abgewandert sind, bleiben doch mit Jonas Hector und Timo Horn zwei starke Identifikationsfiguren selbst in der zweiten Liga mit an Bord. Ähnliches kennt man vom VfB Stuttgart, wo Kapitän Christian Gentner nach dem Abstieg in der Saison 2015/16 dem Verein treu blieb und dann auch mit der Mannschaft den direkten Wiederaufstieg ins Fußball-Oberhaus schaffte. Für die Stuttgarter lief es in der abgelaufenen Saison dennoch erst einmal nicht gut in der höchsten Liga, bis der neue Trainer kam: Tayfun Korkut. Sein Start beim VfB war sonderbar, die damit eintretende Erfolgsgeschichte hingegen bemerkenswert: Mit dem 4:1-Sieg über die Bayern krönte der VfB seine grandiose Rückrunde mit 31 Punkten aus 14 Spielen. Dieser sportliche Erfolg wurde bundesweit anerkennend wahrgenommen: Unter Fußballinteressierten standen die Stuttgarter Ende Januar bei unserer Frage hierzu noch bei -17 Scorepunkten, es folgte ein beeindruckender Anstieg um fast 25 Scorepunkte bis Ende März, zum Saisonende stand der Verein schließlich bei +10 Scorepunkten. Und obwohl das Image der Stuttgarter Vereinsführung unter Fußballinteressierten zwischenzeitlich auf -7 Scorepunkte gefallen war, erholte es sich ebenfalls zurück ins Positive auf zuletzt +9 Scorepunkte.

Unangefochtener Spitzenreiter in Bezug auf das Image der Vereinsführung ist wenig überraschend der FC Bayern München, dem wir mit +48 Scorepunkten auch an dieser Stelle zur Meisterschaft gratulieren, obgleich der Frust über das verlorene Endspiel im DFB Pokal gegen Eintracht Frankfurt sicherlich noch tief sitzt. Mit dem Finalsieg gegen die Bayern krönten nicht nur die Frankfurter Adler, sondern vor allem auch Trainer Niko Kovac das Ende einer bemerkenswerten Saisonleistung. 27 Prozent aller Fußballinteressierten in Deutschland bestätigten uns in der vergangenen Woche, über die Frankfurter Eintracht mit anderen zuletzt gesprochen zu haben. Nach Bekanntgabe der Verpflichtung Kovacs als neuem Trainer des FC Bayern München für die kommende Saison 2018/19 und dem in die Medien getragenen spontanen Frust hierüber seitens des Managements der Frankfurter Eintracht war dieser Wert zwischenzeitlich auf 17 Prozent hochgeschnellt, normalerweise pendelt er für die Frankfurter um die Marke von 8 Prozent. Das Image der Vereinsführung der Adler blieb im Laufe der Saison immer stabil im leicht positiven Scorepunkte-Bereich, im Zuge des Pokalsiegs verzeichnen wir aktuell jedoch einen außerordentlich positiven Anstieg auf +16 Scorepunkte.

Als Benchmark kann hier auch das Abschneiden von RB Leipzig herangezogen werden: Dessen Vereinsführung pendelte entlang der Saison in unseren Umfragen unter Fußballinteressierten imageseitig immer um einen Wert von +15 Scorepunkten und konnte sich trotz Abgang von Trainer Ralph Hasenhüttl ziemlich stabil halten. Ordentlich Boden gut gemacht bei dieser Bewertungsdimension in unseren Interviews hat vor allem auch der FC Schalke 04 mit nunmehr +13 Scorepunkten. Unsere Befragten attestieren dem Verein eingekehrte mediale und hoffentlich auch interne Ruhe, anders ausgedrückt gut geleistete Arbeit. Wir gratulieren dem Vizemeister anerkennend zur direkten Qualifikation für die neue Champions League Saison. Das aktuelle Champions League Finale hat „Kloppo“ mit seinem FC Liverpool zwar tragödienartig am Samstagabend erneut als Trainer verloren, doch für diesen Sympathieträger der Deutschen ist es sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis wir ihn wieder mit seiner Mannschaft im Finale eines internationalen Wettbewerbs sehen werden.

Vielleicht können die Hamburger ihre große Stadionuhr also an einen der vielen rivalisierenden Clubs in der englischen Premier League abgeben, allen voran dem FC Everton als unmittelbarem Nachbarn der Liverpooler. Die werden sicherlich liebend gerne sekundengenau anzeigen, wie lange die „Reds“ nun mit der Schmach von Kiew leben müssen...
 

So erschienen auf WirtschaftsWoche Online. 

Bild: dpa

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