1. FC Köln und BVB: Zwei Mal schwarzer Peter

1. FC Köln und BVB: Zwei Mal schwarzer Peter
Von

Die FC-Fans stehen zum Ex-Trainer Stöger, der Verein für eine gute Fankultur. Ihm wurde zu Beginn der laufenden Saison noch ein gutes Management bescheinigt. Das ist jetzt spürbar anders, auch beim BVB.  

Am Wochenende überschlugen sich die Ereignisse: Peter Stöger wird neuer Trainer beim BVB, nachdem Peter Bosz aus Sicht des Managements nicht mehr zu halten war. Und nach einer vielversprechenden 3:0 Führung verlor der FC sein Heimspiel gegen die auswärtsschwachen Freiburger. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, dachte man sich vor dem Spiel. Aber es sollte einfach nicht sein.

Weiterhin kein einziger Sieg für die Domstädter also in dieser Saison. Das Management der Dortmunder sowie auch des FC ist in den altbekannten Modus „Neuer Impuls“ übergegangen.

Selbst für Unbeteiligte folgt es einer sonderbaren Tragik, was dem 1. FC Köln in dieser Saison widerfährt. Dies bestätigen Ergebnisse des FootballIndex, der kleinen Schwester des YouGov-Markenmonitors BrandIndex, mit dem wir - ebenfalls kontinuierlich - das Image aller 18 Erstliga-Vereine tracken. Und die seit Saisonbeginn erhobenen Antworten zeigen bei einer kumulierten Analyse für den FC: Nur zu drei Vereinen antworten mehr Teilnehmer unserer gesamten Online-Interviews, dass sie über diese zuletzt Positives oder Negatives gehört haben. Und zwar im Fall von Bayern München, Borussia Dortmund oder RB Leipzig. Clubs, die durch die Teilnahme an der Champions League sowieso deutlich mehr Aufmerksamkeit in den Medien erfahren.

Saldieren wir die Anteile derjenigen Befragten, die zuletzt Positives beziehungsweise Negatives über einen Verein gehört haben, sieht es für den FC anders aus. Hier passt sein Abschneiden vielmehr zur andauernden Tabellensituation: Die Kölner bilden das Schlusslicht dieses Buzz-Rankings, wie wir diese Kennzahl bei YouGov nennen. Und mit Blick auf die Buzz-Verlaufskurve für den FC konstatieren wir: Mit der Entlassung von Peter Stöger fiel der Buzz-Wert in der letzten Woche auf einen neuen Tiefpunkt.

Image des FC-Managements stieg zwischenzeitlich durch Weggang von Schmadtke

Für die FC-Fans und den Verein stand lange Zeit fest, dass die aktuelle Situation den Trainer Stöger nicht infrage stellt, zu viel hatte man dem Österreicher zu verdanken. Und wer auch immer nun letztlich für die ersichtlichen Kaderplanungsfehler verantwortlich zeichnet, zuerst musste oder wollte Manager Jörg Schmadtke seinen Hut nehmen.

Diesem Schritt konnten die Kenner sowie Sympathisanten des Vereins kurzfristig auch etwas Positives abgewinnen. Als eine der sechs Bewertungsdimensionen, die in den eigentlichen FootballIndex-Wert eines Vereins eingehen, messen wir schließlich auch die Meinung der Kenner des Vereins zum Club-Management und weisen diesen auf einer Skala von +100 bis -100 aus.

Und hier zeigten sich vorübergehend positive Effekte auf die Bewertungen der FC-Clubführung, der Management-Score des Vereins konnte nach dem Abgang Schmadtkes fast sogar wieder den negativen Bereich verlassen. Am Sportdirektor hingen die Befragten oder die FC-Fans darunter also nicht wirklich.

Obgleich eine seiner Entscheidungen auf viel Zustimmung stieß, was sehr schön entlang der Verlaufskurve des Management-Scores für den FC zu erkennen ist: Die Verpflichtung von Claudio Pizarro als weiteren Stürmer und positiven Stimmungsmacher für das Team.

BVB-Fans wieder mit dem Management versöhnt?

Auf die Entlassung Stögers hingegen hagelte es Kritik an der Clubführung des FC . Der Österreicher war bei den Fans nicht nur beliebt, sondern für diese inzwischen auch eine Identifikationsfigur für den Verein und seine Markenwerte.

Je nach Lesart lässt sich erkennen, dass sie „ihrem Trainer“ selbst im Falle des nunmehr unvermeidlich erscheinenden Abstiegs in die zweite Liga die Treue gehalten hätten. Für sie war er einer, mit dem man durch Dick und Dünn hätten gehen wollen. Hätte, hätte, Fahrradkette… Jetzt kam alles anders und Peter Stöger ist nunmehr frisch vorgestellter Trainer des Dortmunder BVB.

Die Schwarz-Gelben haben in den letzten Wochen eine Punkteserie hingelegt, wie sie dem FC kaum ähnlicher sein könnte. Hier kippte die Stimmung in Bezug auf die Vereinsführung allerdings gerade dadurch, dass keine Maßnahmen ergriffen wurden. Ende November stürzte der Management-Score des BVB abrupt um 10 Scorepunkte auf einen Wert von +8 ab, dem schlechtesten Wert ab, den wir für den BVB bisher gemessen haben.

Inwiefern die Entscheidung von diesem Wochenende, Peter Stöger als Trainer bis 2018 vorzustellen, nun wieder die Fans mit dem Management versöhnt, werden die nächsten Wochen zeigen. Beiden Vereinen kann man sportlich größeren Erfolg als in den letzten Wochen nur wünschen. Es würde die Liga in beiden Fällen für alle wieder spannender machen, sowohl auf den vordersten als auch auf den hintersten Tabellenplätzen.

Und selbst der Autor dieser Kolumne muss sich als bekennender FC-Fan eingestehen, dass er es Peter Stöger mit dem BVB wahrlich gönnt, wieder in die Erfolgsspur zu gelangen. Dieser Mann hat es nach aller in Köln geleisteter Arbeit einfach verdient. Und über einen deutlich besser besetzten Kader als beim FC verfügt er nun allemal. Auf den neuen Trainer des FC wird die Öffentlichkeit allerdings wohl noch etwas warten müssen. Und Armin Veh ist zu neu im Managemet-Geschäft, um seinen Beitrag hierzu einschätzen zu können. Wir wünschen ihm einen guten Start!

So erschienen auf WirtschaftsWoche Online.
Bild: dpa

 

Bitte lesen Sie unsere Community-Regeln, bevor Sie posten.