UK-Wahlprognose: Neue Methode sorgt bei Unterhauswahl für Furore

UK-Wahlprognose: Neue Methode sorgt bei Unterhauswahl für Furore
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Zur aktuellen Unterhauswahl in Großbritannien setzte YouGov erstmalig eine neue Methodik ein.

Die seit Anfang Mai veröffentlichten Ergebnisse landeten sofort unter den Top-News der britischen und internationalen Presse. Zu einem Zeitpunkt, als alle anderen Umfragen noch von einer satten Mehrheit für die Tories ausgingen, sagte YouGov als erstes Institut einen Verlust der absoluten Mehrheit der Konservativen von bis zu 20 Sitzen voraus. Daraufhin griffen Experten und Politikberater die neue Analysemethode öffentlich an. Jim Messina, Berater der Tories, bezeichnete die YouGov-Methode gar als „idiotic“.

Die Wahlergebnisse vom 8. Juni waren folglich nicht nur ein Erdbeben für die Konservativen in Großbritannien, sondern auch für die klassische politische Meinungsforschung. YouGov errechnete mit seinem neuen Modell für 632 Wahlkreise im UK (ohne die 18 Wahlkreise für Nord-Irland) eine eigene Schätzung für jeden Wahlkreis. Für 93% dieser Wahlkreise sagte das Modell den tatsächlichen Gewinner richtig voraus. Darüber hinaus prophezeite YouGov, dass die Konservativen den Wahlkreis Canterbury an Labour verlieren würden. Das war eine Sensation, denn die Tories hatten hier seit 1918 bisher jede Wahl gewonnen. Bei den 7% der Wahlkreise, in denen die Prognose nicht zutreffend war, gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Hier gewannen die Sieger jeweils mit einer knappen Mehrheit. „Egal wie gut die Datenbasis auch sein mag, auch Wahlforscher sind keine Hellseher“, erklärt Holger Geißler, Head of Research Deutschland. „Aber die Vorhersagekraft des UK-Election-Models war im Vergleich zu den meisten traditionellen Wahlvorhersagen deutlich besser und erlaubte hinsichtlich des Mehrheitswahlsystems im UK als einziges Modell Aussagen über die Sitzverteilungen.“ Bei den Unterhauswahlen 2015 und beim Brexit-Votum lagen alle Institute mit ihren Prognosen falsch. Dies wurde damit erklärt, dass britische Wähler einerseits ihre Wahlentscheidung inzwischen viel kurzfristiger und auch emotionaler treffen.

Das eingesetzte Berechnungs- und Analysemodell basiert auf einer so genannten „Multilevel-Regression und Post-Stratification“-Analyse (MRP). Es verwendet Daten aus kontinuierlichen Befragungen und kombiniert diese entsprechend eines Big-Data-Ansatzes mit weiteren Informationen aus verschiedenen Quellen. Ergänzt um demographische und psychografische Informationen können so Schätzungen für die jeweiligen Wahlkreise errechnet werden. Die Kombination dieser Daten ermöglichte YouGov die außergewöhnlich gute Vorhersage des Wahlausgangs.

Weitere Informationen zu dem neuen Rechenmodell von YouGov lesen Sie in diesen beiden Artikeln:

 

Bild: dpa

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