Ein Fünftel der Deutschen interessiert sich stark für Politik

Ein Fünftel der Deutschen interessiert sich stark für Politik

20 Prozent aller Deutschen sehen sich selbst als politisch sehr interessierte Menschen. Zu dieser Selbsteinschätzung kommen deutlich mehr Männer als Frauen. Die große Mehrheit der Deutschen interessiert sich mittelmäßig bis gar nicht für Politik.

Je nach Ausprägung des politischen Interesses unterscheiden sich auch die Wahlbeteiligung, das Informationsverhalten, die langfristige Parteienneigung und der Wunsch nach Veränderung des politischen Kurses unter den Deutschen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine heute veröffentlichte YouGov-Studie. Die Studie untersucht, wie politisch interessiert die Deutschen sind und wie sich die weniger und die stärker Interessierten voneinander unterscheiden. Die Ergebnisse geben Aufschluss darüber, wie sich die Deutschen politisch informieren, welche Themen sie als relevant bewerten und wie sie die politische Stimmung wahrnehmen. Dazu führte YouGov unter anderem mehrere bevölkerungsrepräsentative Umfragen unter wahlberechtigten Deutschen ab 18 Jahren durch.

Wenig überraschend: Je stärker das politische Interesse ausgeprägt ist, desto eher gehen die Deutschen wählen. Von den stark Interessierten beteiligten sich über 90 Prozent an der vergangenen Bundestagswahl, von den weniger und gar nicht Interessierten ging 2013 nur die Hälfte zur Bundestagswahl. Den größten Block bilden die mittelmäßig Interessierten. 44 Prozent der Befragten schätzen so ihr Interesse an Politik ein. Von ihnen beteiligten sich immerhin 81 Prozent an der letzten Bundestagswahl.

Die stärker an Politik interessierten Bürger neigen zudem deutlich häufiger langfristig einer Partei zu. Dabei ist die Verteilung der Parteipräferenzen nicht viel anders als in der Gesamtbevölkerung. Tendenziell halten politisch interessierte Wähler von Bündnis 90/Die Grünen und die Linke ihrer Partei etwas stärker die Treue als der Rest der Gesamtbevölkerung. Nach ihrem politischen Engagement befragt geben die politisch stark Interessierten an, neben dem Wählen selbst und einem regen Austausch mit Familie und Freunden wenig andere Partizipationsmöglichkeiten wahrzunehmen. Nur eine kleine Minderheit engagiert sich in einer Bürgerinitiative oder auf eine andere Weise politisch.

Fernsehen und Radio weiterhin beliebteste Informationsquelle         

Fernsehen und Radio stehen als Informationsquelle über politische Neuigkeiten weiterhin mit Abstand an erster Stelle, gefolgt von gedruckten Zeitungen. Rund die Hälfte der Deutschen informiert sich demnach einmal oder sogar mehrmals täglich im Fernsehen über das politische Geschehen. Hier zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den stark und weniger politisch Interessierten. So informiert sich die Gruppe der stark Interessierten deutlich häufiger und auch auf mehr Kanälen als die weniger Interessierten, das gilt sowohl für klassische wie auch für digitale Medien.

Wenn die politisch schwach Interessierten den Fernseher anschalten, bevorzugen sie bei regelmäßiger Nutzung im Vergleich mit den anderen Gruppen tendenziell eher Unterhaltungssendungen wie „Das Supertalent“ (25,5 %) als die Tagesschau. Für diese Gruppe sind soziale Netzwerke nach dem Fernsehen auch die zweitwichtigste Nachrichtenquelle für Politik. Für die stärker Interessierten sind die gedruckten wie auch die Online-Angebote von Zeitungen wichtiger als soziale Netzwerke. Besonders häufig nutzen politisch stark interessierte Bürger dabei digitale Angebote von Spiegel Online oder der Tagesschau. Im Umkehrschluss bedeutet das: Das Publikum solcher und ähnlicher Medienformate zeigt ein höheres politisches Interesse als die Gesamtbevölkerung.

Erstaunlich ist dabei, wie sehr sich das Mediennutzungsverhalten von politisch interessierten Bürgern im Vergleich zu weniger Interessierten unterscheidet. In gewisser Weise hat hier eine Abkopplung stattgefunden. Für Parteien besteht die Herausforderung, die zahlenmäßig deutlich größere Gruppe der mittel und schwach interessierten Wähler zu überzeugen. Mit der Präsenz in Qualitätsmedien wie öffentlich-rechtlichen Talkshows, Nachrichtensendungen, überregionalen Tageszeitungen – mit Ausnahme der Bild-Zeitung – oder deren digitalen Äquivalenten sind diese Gruppen kaum noch zu erreichen. Wer im Wahlkampf medialen Zugang zu diesen Zielgruppen findet, könnte sich einen deutlichen Vorteil verschaffen.

Bei der Einschätzung der politischen Stimmung bewerten drei Viertel aller Bürger die politische Stimmung in Deutschland brisanter als vor ein paar Jahren. Die Mehrheit verknüpft innenpolitisch die Brisanz mit dem Aufstieg der AfD. Die meisten Deutschen sehen zudem den Brexit und die Wahl Trumps als Gründe, warum die Bundestagswahl dieses Jahr besonders wichtig ist. Mehr als die Hälfte der Deutschen findet auch, dass deutlich mehr über Politik diskutiert wird als vor vier Jahren. Als dringlichste politische Themen werden Ausländerpolitik und Zuwanderung, gefolgt von sozialer Ungerechtigkeit und innerer Sicherheit genannt. Unterschiede zeigen sich bei der Bewertung dieser gesellschaftlichen Herausforderungen. Für die Mehrheit der politisch Interessierten haben alle drei Herausforderungen zugenommen, die Mehrheit der politisch schwach Interessierten sieht dies lediglich für das Feld Ausländerpolitik und Zuwanderung.

Weitere Informationen zu dem Wunsch nach politischer Veränderung in Deutschland, dem Vertrauen in Problemlösungskompetenzen des politischen Systems und den eigenen Chancen, die Politik in Deutschland zu beeinflussen, finden Sie in der Studie „Die Deutschen und die Politik – Politische und unpolitische Wähler“.

Die Studie kann gegen Angaben der Kontaktdaten hier kostenfrei heruntergeladen hier werden.

Bild: dpa

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