Mehrheit der Wähler deutscher Parteien akzeptiert Transgender – die der AfD zeigen sich gespalten

Mehrheit der Wähler deutscher Parteien akzeptiert Transgender – die der AfD zeigen sich gespalten
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Die Wähler aller deutschen Parteien zeigen sich progressiv in Trans-Fragen, die der AfD lehnen mehrheitlich ab, doch teilweise nur knapp.

In Europa gewann 2014 mit Conchita Wurst eine Künstlerin den Eurovision Song Contest, die nicht in die klassischen Geschlechterbilder passt. Aus dem ehemaligen Zehnkämpfer und amerikanischen TV-Star Bruce Jenner wurde 2015 nach einer Geschlechtsumwandlung die Transgender-Frau Caitlyn Jenner. Beide Künstler bescherten der Trans-Community mediale Aufmerksamkeit und sie stehen für eine neue Normalität, dass zeigen YouGov Profiles-Daten.

Sie zeigen viel Akzeptanz für Geschlechtsumwandlungen und Transgender bei den Wählern deutscher Parteien – mit einer Ausnahme, den Wählern der AfD. Die Datenanalyse zeigt, dass AfD-Wähler eher ablehnend sind, aber keineswegs so deutlich wie man vielleicht vermuten würde.

Sechs von zehn Deutschen (61 Prozent) finden es in Ordnung das Geschlecht durch Operationen und hormonelle Behandlungen zu ändern. 31 Prozent sehen das nicht so. Parteiübergreifend denkt eine Mehrheit der Wähler deutscher Parteien, eine Geschlechtsumwandlung ist in Ordnung. Am tolerantesten zeigen sich die Grünen-Wähler (76 Prozent), bei der AfD gibt es die meiste Ablehnung.

Hier lehnt eine Mehrheit von 52 Prozent die Geschlechtsumwandlung ab. Doch auch unter den Wählern der für ihre traditionelle Familienpolitik bekannten Partei, die gerne gegen den „Genderwahn“ wettert, ist die Zustimmung zur Geschlechtsumwandlung mit 43 Prozent noch relativ hoch.

Die breite Akzeptanz für Transgender-Personen zeigt sich auch, wenn man die Zustimmung zu einem Vorurteil gegenüber Trans-Personen betrachtet. 64 Prozent der Deutschen lehnen die Aussage „Transgender-Menschen sind nur verwirrt“ ab, nur 25 Prozent machen sie sich zu Eigen. Das gilt für einen noch größeren Teil der Wähler aller Parteien. Je nach Partei-Neigung lehnen 62 bis 79 Prozent der Befragten die Aussage ab.

Die relativ unklaren Mehrheitsverhältnisse zu Trans-Fragen bei den AfD-Wählern zeigen sich auch in dieser Frage. Eine eher knappe Mehrheit von 47 Prozent lehnt wie die Wähler andere Parteien die Aussage ab. Doch 44 Prozent stimmen ihr zu. Die mit Abstand höchste Zustimmung im Vergleich.

Und die meisten Deutschen zeigen sich sehr modern in der Geschlechterfrage. Sechs von zehn (63 Prozent) stimmen der Aussage „Wir leben im 21. Jahrhundert: Die Menschen sollten endlich akzeptieren, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt“ zu. Drei von zehn (28 Prozent) sehen das nicht so. Auch für diese Aussage gibt es klare Mehrheiten bei den Wählern deutscher Parteien zwischen 60 und 77 Prozent.

Nur die Hälfte (50 Prozent) der AfD-Unterstützer, sieht das nicht so. Doch auch hier ist die Mehrheit nicht sehr eindeutig, denn 43 Prozent stimmen zu.

Offenbar sind relativ viele Wähler der Partei toleranter als AfD-Spitzenpolitiker. So hat etwa der Sprecher der "Bundesinteressengemeinschaft Homosexuelle in der AfD" in einem Interview gesagt die Partei sei „nicht schwulenfeindlich“.

Weit öfters sind AfD-Politiker jedoch mit Äußerungen gegen den „Gender-Wahn“ aufgefallen. Gender-Mainstreaming sei „politische Geschlechtsumwandlung“ wetterte etwa die stellvertretende Bundesvorsitzende der AfD Beatrix von Storch in einer Rede.

Doch die Mehrheit der Deutschen sieht das offenbar anders, und selbst viele AfD-Wähler denken so.


Die mit YouGov Profiles analysierten Daten stammen aus einem wöchentlich aktualisierten, bevölkerungsrepräsentativ gewichteten Datensatz aus den letzten 3 Monaten (Stand: 22. 12. 2016). ). Die Datenerhebung zu diesem Thema erfolgt von nun an kontinuierlich. Für die Analyse wurden 14.432 Personen untersucht, die die drei Statements beantwortet haben und diese dann mit Daten dieser Befragten zur langfristigen Parteineigung verglichen. Mehr darüber finden Sie hier.

Foto: Christian Bruna/AP/Press Association Images

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