Anzahl der Sexismus-Kritiker gestiegen

Anzahl der Sexismus-Kritiker gestiegen
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Im Vergleich zur letzten großen Debatte 2013 sagen heute mehr Deutsche Sexismus ist ein großes Problem, auch Union-Wähler und Männer.

In Deutschland wird über Sexismus diskutiert. Mal wieder. Die aktuelle Debatte wurde ausgelöst durch einen offenen Brief einer CDU-Politikerin. Im Jahr 2013 waren die Erlebnisse einer jungen Journalistin der Stein des Anstoßes. Doch erleben wir nur eine wirkungslose Neuauflage der Debatte so wie Bill Murray, der im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ in einer Zeitschleife gefangen, den gleichen Tag immer wieder erleben muss?

YouGov-Daten zeigen, dass sich die Einstellung die Einstellung der Deutschen zum Thema Sexismus verändert, vor allem weil immer mehr Deutsche das Thema für wichtig halten. „Längst überfällig“ sei die Diskussion, sagen 22 Prozent der Befragten. 16 Prozent der Deutschen sagen laut einer aktuellen YouGov-Umfrage, die Diskussion sei „überflüssig“. Das sah 2013 noch anders aus. Nur 11 Prozent sagten damals, die Debatte sei überfällig und 22 Prozent, dass die Debatte überflüssig sei. Damals war die Gruppe, die die Diskussion für überflüssig hielt noch größer die der Kritiker. Auffallend ist auch, dass, dass sich der Anteil der Befragten, die meint, die Debatte sei überfällig und müsse in „alle Ernsthaftigkeit“ geführt werden verdoppelt hat. Es gibt in Deutschland heute eine größere Gruppe, der eine Debatte um Sexismus in Gesellschaft und Politik wichtig ist.

Gleichzeitig zeigen sich aber damals wie heute die meisten Befragten eher zurückhaltend. Zwar sagen sie, dass es wichtig ist Grenzüberschreitungen zu thematisieren. Doch sie meinen auch, dass nicht aus jedem misslungenen Altherrenwitz gleich eine Sexismus-Debatte gemacht werden sollte. 2011 sagten das sechs von zehn Deutschen (62 Prozent), aktuell sind es fünf von sechs Befragten (48 Prozent).

Unverändert groß ist in beiden politischen Lagern diese zurückhaltende Gruppe. Auffällig ist aber, sowohl bei SPD- als auch bei CDU Wählern gibt es heute mehr Sexismus-Kritiker. 2013 fanden noch mehr als drei Mal so viele Unions-Wähler eine Debatte um Sexismus überflüssig (25 Prozent zu 7 Prozent). Etwa gleich viele SPD-Wähler sagten damals, die Debatte sei überflüssig, beziehungsweise überfällig (16 Prozent zu 14 Prozent). In beiden Lagern war also die Gruppe der expliziten Sexismus-Kritiker die kleinste Gruppe. Heute finden etwa gleich viele Union-Wähler die Debatte wichtig beziehungsweise nicht wichtig (17 Prozent zu 20 Prozent). Bei den SPD-Wählern sind mittlerweile mehr als doppelt so viele der Meinung, Sexismus ist ein großes Problem (28 Prozent zu 12 Prozent), eine Umkehrung der Verhältnisse im Vergleich zu 2011.

Ein weiterer Grund, warum immer mehr Deutsche Sexismus als Thema großer Wichtigkeit bezeichnen ist auch, dass das mittlerweile mehr Männer so sehen. Offenbar hat hier teilweise eine Sensibilisierung stattgefunden. 2013 gab es noch sehr große Geschlechterunterschiede beim Thema. Doppelt so viele Männer bewerteten das Thema als überflüssig und doppelt so viele Frauen sagten, die Debatte sei überfällig. Auch das hat sich geändert, vor allem weil heute mehr Männer das Thema für wichtig halten (18 Prozent zu 26 Prozent). In der Gruppe der Gleichgültigen aber sind die Verhältnisse nahezu unverändert. Für männliche Sexismus-Kritiker bleibt viel zu tun: Zwei von zehn Männern (20 Prozent) aber nur 13 Prozent der Frauen sagen die Debatte ist überflüssig. 

Auf Basis des YouGov Omnibus wurden in 1061 Personen im Zeitraum vom 29. bis 31. Januar 2013 und 1021 Personen vom 29. bis 30. September 2016 repräsentativ befragt. 

Foto: Danny Lawson/PA Archive/Press Association Images

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