Das YouGov-Modell: Der Stand der US-Wahlen

Das YouGov-Modell: Der Stand der US-Wahlen
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YouGov führt jeden Tag tausende Interviews durch und nutzt diese Daten um die US-Präsidentschaftswahlen Bundestaat für Bundestaat in einem interaktiven Modell vorherzusagen.

Viele Beobachter haben sich nur langsam damit abgefunden, dass diese Wahl eng wird. Obwohl die meisten Umfragen nach den Parteitagen der Demokraten und Republikanern Hillary Clinton vor Donald Trump sehen ist in den letzten Wochen immer mehr klar geworden, dass diese Wahl kein Erdrutsch wird. Weder auf nationaler Ebene, noch in den Bundesstaaten. Ab heute veröffentlichen wir mit dem YouGov-Modell erstmalig Umfragedaten für 50 US Bundesstaaten und Washington DC, die wir bis zum Wahltag täglich aktualisieren werden. Clinton führt derzeit auf nationaler Ebene im „popular vote“ mit etwa dem gleichen Vorsprung mit dem Obama 2012 Mitt Romney besiegt hat. Bei den Wahlmänner und –frauen in ihrem „Electoral College“, aber ist ihr Vorsprung weniger groß. Der Grund sind Veränderungen in der Unterstützung auf der Ebene der Bundesstaaten im Vergleich zu 2012. Seit der letzten Fernseh-Debatte hat Clinton ihren Vorsprung substantiell ausbauen können. Vor zehn Tagen war das Rennen noch offener.

Aktuell schätzen wir, dass Clintons Vorsprung auf nationaler Ebene 3.4 Prozent beträgt, basierend auf Umfragedaten bis zum 3. Oktober. Auf der Ebene der Bundesstaaten ist der Vorsprung von Clinton kleiner. Aktuell ist Iowa der „tipping point“-Staat in unsere Analyse. Hier liegt ihr Vorsprung bei nur 1,8 Prozent. Der Grund für den Unterschied zwischen nationaler Ebene (popular vote) und der Wahlmänner (electoral vote) liegt unserer Ansicht nach darin begründet, dass eine große Gruppe von Staaten im Vergleich eher zu Trump tendieren. Teil dieser Gruppe sind Wisconsin, Nevada, Iowa, Pennsylvania, North Carolina und Florida. Trump könnte in diesen Staaten eine knappe Mehrheit der Wahlmänner und -frauen gewinnen, obwohl keine Mehrheit der Wähler (popular vote) für ihn stimmen wird, wenn er die meisten dieser Staaten gewinnt.

Auf nationaler Ebene haben mehr Obama-Wähler von 2012 zu Trump gewechselt, als Romney-Wähler von 2012 zu Clinton gewechselt sind. Diese Verluste werden zum Großteil wettgemacht durch Clinton großen Vorsprung in einer neuen Kohorte von Wählern im Alter von 18 bis 21 Jahren. Aber diese jungen Wechselwähler sind konzentriert in Staaten wie Pennsylvania, Ohio, Wisconsin und Iowa, die die Demokraten in den letzten Präsidentschaftswahlen mit einem Vorsprung gewonnen haben der sehr nah am nationalen Vorsprung lag. Darum ist hat Clinton keine so starke Position wie Obama was die Wahlmänner und –Frauen angeht.

Weitere demographische Details der Wählerschaft werden in den nächsten Wochen veröffentlicht, ein Teil der Daten kann hier schon eingesehen werden. Die Rohdaten für die Analyse liefert ein laufendes Sample von über 30.000 Teilnehmern von YouGov-Umfragen der letzten zwei Wochen. Dieses Sample wird täglich mit den Daten aus etwa 3.000 Interviews aktualisiert werden. Diese Ergebnisse werden in repräsentative Schätzungen für die Bundesstaaten verwandelt unter Nutzung verschiedener anderer Daten um sicherzustellen, dass unser Modell ein repräsentatives Modell der Wählerschaft benutzt und nicht nur ein Abbild unserer Umfrage-Teilnehmer (Lesen Sie hier mehr über die Methodologie des Modells).

Dieser Methodik hat, unter Verwendung sehr unterschiedlicher Daten, in diesem Jahr bei der Vorhersage der Volksabstimmung zum Brexit in Großbritannien gut funktioniert  und sich zuvor auch bei der Vorhersage der US-Wahlen von 2012 bewährt. Im September 2012 hatte YouGov einen Sieg Obamas mit einem Vorsprung von 4.1 Prozent vorhergesagt. Am Wahltag gewann Obama dann mit einem Vorsprung von 3.9 Prozent. Nur für zwei Bundesstaaten wurde damals das Ergebnis falsch vorhergesagt: New Hampshire und North Carolina. Die Umfragen von YouGov im November 2012 sagten denselben Vorsprung von 4.1 Prozent voraus und irrten sich nur in der Vorhersage von North Carolina.

Übersetzung: Moritz Wichmann

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