Mehrheit: Trainingslager in Katar und Co. sind nicht Ok

Mehrheit: Trainingslager in Katar und Co. sind nicht Ok
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Mehr als die Hälfte der an Fußball interessierten Deutschen findet Trainingslager in undemokratischen Ländern problematisch – und Viele hätten gerne die Hallenmasters zurück.

Ein Trainingslager sei ausdrücklich keine politische Äußerung, sagt Karl-Heinz Rummenigge, Präsident des FC Bayern München. Doch in Fußball-Deutschland sorgte auch in diesem Jahr der Katar-Trip seines Clubs vor der am Freitag beginnenden Rückrunde  – wie auch die Aufenthalte von Eintracht Frankfurt in Abu Dhabi und von Borussia Dortmund in Dubai – für Kritik und Kopfschütteln. Denn schließlich hätten die Vereine eine gesellschaftliche Verantwortung, die sich nur schwer mit Touren in undemokratischen Länder vereinbaren lasse.

Das sieht die Mehrheit der fußballinteressierten Deutschen so – inklusive der Fans der drei betroffenen Clubs. Das ist das Ergebnis einer aktuellen YouGov-Umfrage, in der es auch um eine untergegangene Winterpausen-Tradition ging: Den DFB-Hallenpokal. Den wünscht sich ebenfalls mehr als die Hälfte der Fußballinteressierten zurück.

Insgesamt drei von fünf Befragten (59 Prozent), die sich für Fußball interessieren, sagen, es sei moralisch nicht in Ordnung, das Trainingslager in einem undemokratischen Land wie Katar abzuhalten, 30 Prozent haben keine moralischen Probleme damit. Bei den Fans der drei Clubs, die es in diesem Jahr in einen Golfstaat verschlug (und nicht wie die Mehrzahl ins Türkische Belek oder nach Spanien oder Portugal) – dem FC Bayern, Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt – sieht es kaum anders aus. Auch in deren Anhängerschaft hat die Mehrheit (56 Prozent) moralische Probleme mit dem Ort des Trainingslagers.

Dabei ist es noch nicht einmal gesagt, dass ein Trainingslager am Golf hilfreich ist. Denn wie die Zeitung Die Welt ausgerechnet hat, erreichten im vergangenen Jahr die Mannschaften, die dorthin ins Trainingslager fuhren, in der Rückrunde weniger Punkte als vor der Winterpause.

A propos Winterpause: In den 90er-Jahren gab es zwischen Vor- und Rückrunde mal ein Turnier, dass die Clubs aufgrund der Verletzungsgefahr eher ablehnten, die Fans zumindest einige Jahre lang liebten. Doch 2001 wurde der DFB-Hallenpokal – zeitweise auch als Hallen-Masters ausgetragen – eingestellt, seitdem sind Spitzenteams auf Hallenturnieren kaum noch vertreten.

Allerdings würde mehr als die Hälfte derer, die sich in Deutschland für Fußball interessieren, eine Wiedereinführung eines offiziellen DFB-Hallen-Pokals befürworten. Insgesamt 53 Prozent sprechen sich dafür aus, 31 Prozent dagegen. Übrigens sieht es bei den jungen Fans, die teilweise den damaligen Modus nicht mehr miterlebt haben, kaum anders aus. 53 Prozent von ihnen würden eine Wiedereinführung des Hallenpokals befürworten, 31 Prozent diese ablehnen.

Nur am Fußball-Entzug für die Fans dürfte das übrigens nicht liegen: Eine YouGov-Umfrage im Dezember hatte ergeben, dass nur eine Minderheit (37 Prozent) die Winterpause ganz abschaffen würde.

Auf Basis des YouGov Omnibus wurden 1291 Personen im Zeitraum vom 16. bis 19. Januar 2016 repräsentativ befragt. Die hier ausgewerteten Fragen wurden nur an insgesamt 653 Befragte gestellt, die sich „eher“ oder „sehr“ für Fußball interessieren – wobei es zwischen diesen Gruppen keine Nennenswerten Unterschiede gab.

Foto: dpa

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