Umfrage in 24 Ländern: Was Gleichstellung und Reichtum miteinander zu tun haben

Umfrage in 24 Ländern: Was Gleichstellung und Reichtum miteinander zu tun haben
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Was die Menschen auf der Welt über Gleichberechtigung von Frauen und Männern denken – und was dies mit Reichtum zu tun hat.

Weltweit gibt es eine große Ungleichheit zwischen Männern und Frauen. Fast überall verdienen Frauen deutlich weniger als Männer und arbeiten häufiger in Jobs mit schlechten Arbeitsbedingungen. Männer besitzen und managen knapp 70 Prozent aller Unternehmen weltweit. 700 Millionen Frauen werden jährlich Opfer von körperlicher und sexueller Gewalt. Und zwei Drittel der 774 Millionen erwachsenen Analphabeten weltweit sind weiblich.

Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache – doch trotz der nach wie vor vorhandenen Ungleichheit scheint es vielerorts voranzugehen. Zum ersten Mal hat YouGov jetzt Einstellungen zur Gleichstellung der Geschlechter von Menschen aus 24 Ländern weltweit zusammengetragen.

In der Umfrage wurden insgesamt 14 Fragen gestellt. Dabei ging es zehnmal um die Zustimmung zu verschiedenen Ansichten zur Gleichstellung der Frauen. Diese zehn Fragen wurden gemeinsam abgefragt – ohne weiteren Kontext. Vier der Aussagen stellten eher konservative Meinungen dar (z.B. „Es ist unattraktiv für Frauen, eine starke Meinung in der Öffentlichkeit zu vertreten“), sechs eher progressive Standpunkte („Frauen und Männer sollten generell die gleiche Bezahlung erhalten“). Aus den Antworten konnte im Anschluss eine Rangliste erstellt werden. Sie zeigt anhand einer Art "Progressivitäts-Index", in welchen Ländern die Menschen besonders modern in Sachen Gleichberechtigung eingestellt sind.

Wenig überraschend liegen die skandinavischen Länder vorn – genau wie im Global Gender Gap Index des Weltwirtschaftsforums, der die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Wirtschaft und Politik misst. Insbesondere beim Spitzenreiter Schweden fällt auf, dass Männer und Frauen sich in ihren Einstellungen kaum unterscheiden. In asiatischen Ländern wie China, Hongkong und Singapur erreichen die progressiven Statements bei den Frauen hingegen deutlich größere Zustimmungswerte als bei den Männern. 

Deutschland landet in der Liste im oberen Mittelfeld, deutlich hinter den skandinavischen Ländern Norwegen, Schweden und Finnland und knapp geschlagen von Dänemark, Frankreich, Grobritannien und Australien – aber doch ganze acht Punkte vor den USA.

Noch weit konservativer sind die Einstellungen allerdings in vielen arabischen und nordafrikanischen Ländern. Bei insgesamt drei Aussagen gibt es sogar eine Differenz von mehr als sechzig Prozentpunkten zwischen diesen Ländern und dem Durchschnitt: Drei von vier Befragten in Nordafrika und im Nahen und Mittleren Oste (74 Prozent) sagen, es sei „die wichtigste Aufgabe einer Frau [...], sich um ihren Mann zu kümmern", immerhin gut die Hälfte (54 Prozent) sagt, „Der Platz einer Frau ist das Zuhause“. Und 48 Prozent finden es unattraktiv, wenn Frauen in der Öffentlichkeit starke Meinugen zum Ausdruck bringen.

Reichtum und Progressivität

Insgesamt fällt aber auch noch ein anderer Zusammenhang ins Auge: Es scheint einen Zusammenhang zu geben zwischen den Einstellungen zur Gleichstellung der Geschlechter und dem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf.

Beziehung zwischen BIP pro Kopf (in $1000) und Netto-Zustimmung zu insgesamt zehn Einstellungen zur Gleichstellung der Geschlechter. Für mehr Infos zu den Ländern mit dem Mauszeiger berühren.

September – Oktober 2015

Allerdings gibt es auch Ausnahmen: Saudi-Arabien gibt es deutlich mehr Reichtum als in vielen Ländern mit ähnlich konservativen Einstellungen, während im Verhältnis zu ihrem niedrigen BIP-Niveau die Menschen in China, Thailand und im Libanon relativ progressiv sind. Während etwa in den USA die Menschen sieben Mal so viel Geld verdienen wie in China, unterscheiden sich die Einstellungen nur um durchschnittlich 5 Prozentpunkte.

Die Umfrage wurde im September und Oktober 2015 in Schweden, Finnland, Dänemark, Australien, Norwegen, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, USA, China, Hong-Kong, Singapur, Thailand, Libanon, VAE, Indonesien, Malaysia, Tunesien, Irak, Saudi-Arabien, Jordanien, Marokko, Ägypten und Algerien. In Deutschland wurden auf Basis des YouGov Omnibus 2009 erwachsene Personen im Zeitraum vom 2. bis 4. September 2015 repräsentativ befragt.

Foto: Press Association

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