Mehrheit: Deutsche Afghanistan-Politik ist gescheitert

Mehrheit: Deutsche Afghanistan-Politik ist gescheitert
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Der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, sagt, Deutschland sei „politisch in Afghanistan gescheitert“. Zwei von drei Deutschen stimmen zu.

Bis vor zwei Jahren war die Bundeswehr in der afghanischen Stadt Kundus stationiert. In der vergangenen Woche rückte die Provinzhauptstadt im Nordosten des Landes wieder in die Öffentlichkeit: Zuerst wurde sie von den Taliban eingenommen, einige Tage später starben dort bei einem Luftangriff der US-Armee 22 Menschen in einem Krankhaus der Organisation Ärzte ohne Grenzen.

Den ehemaligen Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, brachten die Geschehenisse in Kundus endgültig zu dem Schluss, die deutsche Politik in Afghanistan sei „gescheitert“ – und die afghanischen Sicherheitskräfte dem Ansturm der Taliban nicht gewachsen.

In beiden Punkten würde ihm ein Großteil der Deutschen zustimmen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen YouGov-Umfrage. Demnach sagen knapp zwei Drittel der Befragten (63 Prozent), dass Kujat mit seiner Einschätzung, Deutschland sei politisch gescheitert, recht hat. Dass, die afghanischen Regierungstruppen keine Chance hätten, die Taliban ohne westliche Hilfe militärisch zu besiegen, glauben ebenso viele (64 Prozent). Widersprechen würde jeweils ein Siebtel der Befragten (Scheitern: 14 Prozent, Militärische Chance gegen Taliban: 15 Prozent).

Auffällig ist dabei die Einigkeit zwischen den unterschiedlichen Wählergruppen. So sind von den Anhängern aller im Bundestag vertretenen Parteien jeweils etwa drei Viertel der Meinung, dass Deutschland in Afghanistan gescheitert sei, und zwischen 64 (Linke-Wähler) und 72 Prozent (Union-Wähler) der Meinung, dass die afghanischen Regierungstruppen die Taliban nicht alleine besiegen können.

Etwas größer ist der Unterschied hingegen bei der Frage danach, ob die Soldaten abgezogen werden sollten. Eigentlich sollte nämlich Ende kommenden Jahres Schluss mit der noch laufenden Ausbildungsmission sein. Doch Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen will wohl auf eine Verlängerung hinwirken.

Allerdings sagt die Mehrheit der Wähler aller im Bundestag vertretenen Parteien – und auch die Mehrheit der Gesamtbevölkerung – dass der Abzug wie geplant vonstatten gehen solle. Von den Anhängern der Unions-Parteien ist immerhin die Hälfte (50 Prozent) dieser Meinung, 41 Prozent sagen, der Einsatz solle weitergehen. Bei den Wählern der Linkspartei sind sogar fast drei von vier Befragten (72 Prozent) für einen Abzug und nur 12 Prozent wollen den Einsatz fortsetzen. In der Gesamtbevölkerung liegt die Stimmung dazwischen: 53 Prozent der Befragten sind für einen Abzug, 30 Prozent dafür, dass der Einsatz weitergeht.

Auf Basis des YouGov Omnibus wurden in Deutschland 1172 Personen im Zeitraum vom 2. bis 6. Oktober 2015 repräsentativ befragt.

Foto: Anja Niedringhaus/AP/Press Association Images

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