Griechenlandkrise spaltet die Europäer

Griechenlandkrise spaltet die Europäer
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Deutsche und Skandinavier sind strenger als Briten und Franzosen. Doch die Zahl der Grexit-Befürworter hierzulande sinkt.

Der griechische Premierminister Alexis Tsipras hat seinem Parlament einen neuen Reformplan vorgelegt. Mit den Reformen – von denen manche sogar noch einschneidender sind als jene, die das griechische Volk am vergangenen Sonntag abgelehnt hatte – will Tsipras doch noch ein drittes Rettungspaket sichern. Jeroen Dijsselbloem, Präsident der Eurogruppe, zeigte sich optimistisch, dass es doch noch zu einer Einigung kommt. Jetzt liegt es unter anderem an Bundeskanzlerin Angela Merkel, ob dieser Optimismus gerechtfertigt ist.

Wie eine aktuelle, internationale YouGov-Umfrage zeigt, sind auch die (nord-)europäischen Bürger uneins, wie man mit Griechenland umgehen sollte – Franzosen und Briten auf der einen, Deutsche und Skandinavier auf der anderen Seite.

So sind die Befragten in Frankreich und Großbritannien unentschieden, ob mit Griechenland über einen Schuldenschnitt und andere Erleichterungen diskutiert werden sollte. Das fordert neben der griechischen Regierung mittlerweile auch der Internationale Währungsfonds (IWF). Doch Deutsche wie Skandinavier sind strikt dagegen: Hierzulande ist nur jeder vierte Befragte (26 Prozent) für neue Verhandlungen, 61 Prozent pochen lieber auf die ursprünglich vereinbarten Bedingungen. In Finnland sind sogar drei Viertel der Befragten (74 Prozent) gegen neue Verhandlungen.

Zwar ist Deutschland einer der größten Gläubiger Griechenlands, aber das Land ist auch das größte und mit Abstand wirtschaftlich stärkste Land der EU. Nach Aussagen des finnischen Finanzministers steht Griechenland dort ebenfalls mit 5 Milliarden Euro in der Kreide – das entspricht etwa 10 Prozent des finnischen Haushaltes. Auch Frankreich ist einer der größeren Schuldner. Präsident Hollande hat allerdings zu Solidarität aufgerufen.

An mehreren Fragen lässt sich ablesen, dass es in Frankreich und Großbritannien wesentlich mehr Verständnis für die Not der Griechen gibt als in Deutschland und den skandinavischen Ländern. In den beiden erstgenannten Ländern sagt nur jeweils ein Drittel der Befragten, dass die aktuelle oder frühere griechische Regierungen mehr Schuld an der Krise hat als die „Troika“ aus IWF, EZB und Europäischer Kommission. Dagegen glauben dies große Mehrheiten in Deutschland (59 Prozent), Schweden (65 Prozent), Dänemark (70 Prozent) und Finnland (73 Prozent).

Das alles bedeutet nicht, dass Briten und Franzosen auf Tsipras‘ Seite sind: In beiden Ländern tendieren die Menschen dazu, die Forderungen nach leichteren Reformen eher für unangemessen zu halten. Doch während zum Beispiel in Frankreich nur 43 Prozent der Befragten die Forderungen der Troika für angemesen halten, tun dies drei von vier Deutschen (74 Prozent).

Grexit oder kein Grexit?

Gleichzeitig zeigt die Umfrage aber auch, dass insbesondere die Deutschen zwar für harte Verhandlungen mit Griechenland und gegen Zugeständnisse sind – aber nicht um jeden Preis. Denn im Vergleich zu vorherigen Umfragen ist der Anteil derer, die einen „Grexit“ – also einen Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone – befürworten würden gefallen. Waren vor einem knappen Monat noch 59 Prozent der Deutschen dafür, liegt der Anteil zum ersten Mal seit Februar unter 50 Prozent. Der Anteil der Grexit-Gegner ist sogar noch größer als damals und liegt jetzt bei 37 Prozent.

Auch in einigen anderen Ländern hat sich seit Ende Juni die Stimmung gegen den Grexit gewendet – in Dänemark sogar um 10 Prozentpunkte. Allerdings: In fast allen Ländern hält die Mehrheit einen Grexit in den kommenden sechs Monaten für wahrscheinlich.

Aber selbst ein solcher Austritt aus der Eurozone würde nicht automatisch das Ende der Mitgliedschaft Griechenlands in der EU bedeuten. Gegen diesen wären die Menschen zumindest in der Tendenz in allen sechs befragten Ländern. Das Land mit dem größten Anteil von Menschen, die sagen, Griechenland solle Teil der EU bleiben: Deutschland (56 Prozent).

Weitere Informationen auf der britischen YouGov-Seite.

Auf Basis des YouGov-Omnibus wurden 1006 Personen im Zeitraum vom 6. bis 8. Juli 2015 repräsentativ befragt. In Großbritannien wurden 1756, in Frankreich 1002, In Dänemark 1020, in Schweden 1012 und in Finnland 1012 Personen zwischen dem 6. und 10. Juli befragt.

Fotos: Jean-Francois Badias/AP/Press Association Images / Panagakis George/ABACA/Press Association Images (Umfragebild)

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