Virtuelles Trauern ist bei Social-Media-Nutzern umstritten

Virtuelles Trauern ist bei Social-Media-Nutzern umstritten
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Knapp zwei von drei Social-Media-Nutzern finden den öffentlichen Ausdruck von Trauer schön. Ebenso viele sagen aber, es gehe dabei vor allem um die Aufmerksamkeit.

Nach jedem größeren Unglück und immer, wenn berühmte und beliebte Menschen sterben, drücken viele Nutzer sozialer Medien ihre Trauer online aus. Das war nach dem Absturz von Germanwings-Flug 9525 genauso wie nach den Todesmeldungen des Schauspielers Christopher Lee und des Autors und Übersetzers Harry Rowohlt in dieser Woche.

Doch diese öffentliche Form der Trauer ist nicht unumstritten. Das zeigt auch eine aktuelle YouGov-Umfrage. Demnach finden es zwar knapp zwei Drittel der Social-Media-Nutzer (63 Prozent) schön, das Menschen ihr Mitgefühl ausdrücken. Doch fast genauso viele (62 Prozent) sagen, es gehe denen, die so ihrer Trauer Ausdruck verleihen, vor allem um die Aufmerksamkeit.

Besonders kritisch scheinen dabei junge Menschen zu sein. Von den Social-Media-Nutzern zwischen 18 und 24 Jahren finden das gezeigte Mitgefühl lediglich 52 Prozent schön, aber knapp drei von vier (72 Prozent) von ihnen sagen, es gehe bei solchen Aktionen vor allem um die Aufmerksamkeit.

Und auch der Anteil derer, die öffentliches Trauern eigentlich unbeteiligter Menschen gegenüber den Angehörigen unangemessen finde, ist in der Altersgruppe besonders groß: 58 Prozent der Social-Media-Nutzer zwischen 18 und 24 stimmen dem zu. Auf alle Nutzer über 18 gerechnet liegt die Zustimmung bei 51 Prozent, bei jenen zwischen 35 und 44 Jahren sogar bei nur 42 Prozent.

Insgesamt hat gut ein Viertel (28 Prozent) schon einmal öffentlich in einem sozialen Netzwerk getrauert. Am häufigsten (19 Prozent) durch einen kurzen Text. Diese Version ist auch die, die von acht von zehn Social-Media-Nutzern (79 Prozent) als „eher“ oder „voll und ganz angemessen“ bewertet werden. Eine Änderung des Profilbildes oder eine „Fanseite“ zum gemeinsamen Trauern hält die Mehrheit dagegen für unangemessen. Sie wurden von den Befragten aber auch wesentlich seltener (Profilbild: 6 Prozent, Fanseite: 3 Prozent) genutzt.

Auf Basis des YouGov Omnibus wurden 1139 Personen im Zeitraum vom 28. April bis 1. Mai 2015 repräsentativ befragt. Davon gaben 733 Befragte an, zumindest gelegentlich Social-Media-Seiten zu nutzen.

Fotos: Felix Huesmann / Demotix/Demotix/Press Association Images

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