Asylsuchende: Einschätzung der Zahlen variiert nach Parteipräferenz

Asylsuchende: Einschätzung der Zahlen variiert nach Parteipräferenz
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Grünen-Wähler finden, Deutschland könnte mehr Asylsuchende aufnehmen. Anhänger der Union sehen das anders.

Mehr als 200.000 Asylanträge wurden im vergangenen Jahr in Deutschland gestellt – 60 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Für das laufende Jahr 2015 erwartet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge noch einmal 100.000 mehr. Das sind so viele wie seit Anfang der 90er-Jahre nicht mehr.

Aber sind das zu viele? Viele Deutsche finden: ja. Das ist das Ergebnis einer aktuellen YouGov-Umfrage. Dort gaben 46 Prozent der Befragten an, dass ihrer Meinung nach schon jetzt etwas oder viel zu viele Asylsuchende nach Deutschland kommen. Weitere 21 Prozent finden, dass die Zahl der Asylsuchenden momentan noch in Ordnung sei, aber nicht weiter steigen sollte. Lediglich jeder Vierte (26 Prozent) findet, dass Deutschland noch einige oder viele zusätzliche Asylsuchende aufnehmen könnte.

Große Unterschiede gibt es hier zwischen den Anhängern der einzelnen Parteien – und zwar entlang der alten Rechts-Links-Linie. Denn während lediglich 18 Prozent der Unionswähler finden, dass problemlos noch mehr Asylsuchende nach Deutschland kommen könnten, sind es bei der SPD mit 34 Prozent fast doppelt so viele. Und bei den Grünen ist sogar jeder Zweite (49 Prozent) dieser Meinung.

Auch vom politischen Interesse der Menschen hängt ab, wie sie über die Zahl der Asylsuchenden denken. Einfach gesagt: Je größer das Interesse für Politik ist, desto wahrscheinlicher ist er der Meinung, dass Deutschland noch mehr Asylsuchende aufnehmen könnte. Bei jenen, die sich überhaupt nicht für Politik interessieren, glauben dies nur 16 Prozent. Bei nach eigener Angabe sehr stark an Politik Interessierten steigt die Zahl auf 38 Prozent.

Gesetzesentwurf zum Bleiberecht

Die hohen Zahlen haben auch politische Folgen: Nach einem Gesetzesentwurf der Bundesregierung sollen die Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber in Zukunft zwar leichter und schneller durchgeführt werden können. Die derzeit etwa 100.000 Geduldeten – Menschen, deren Antrag zwar abgelehnt wurde, die aber aus unterschiedlichen Gründen nicht abgeschoben werden – sollen gleichzeitig die Chance auf ein dauerhaftes Bleiberecht erhalten. Sofern sie gut integriert sind, also etwa Deutsch gelernt haben, ihren Lebensunterhalt selbst verdienen und sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen.

Über den Gesetzentwurf muss der Bundestag noch abstimmen. Würde die Bevölkerung gefragt, würde er knapp abgelehnt werden. Denn 48 Prozent würden den Vorschlag eher oder ganz und gar ablehnen, dass Geduldete die Chance auf ein dauerhaftes Bleiberecht erhalten. 41 Prozent würden ihm eher oder vollständig zustimmen.

Auch bei dieser Frage gibt es auffällige Unterschiede zwischen den Anhängern der unterschiedlichen Parteien: Während der Vorschlag bei Wählern der CDU/CSU mit 53 zu 37 Prozent abgelehnt würde, bekäme er bei den Anhängern der drei anderen im Bundestag vertretenen Parteien mehr Zustimmung als Ablehnung. Bei den Grünen würden sogar zwei von drei Wählern (67 Prozent) dem Vorschlag zustimmen, nur jeder Vierte (26 Prozent) würde ihn ablehnen.

Auf Basis des YouGov Omnibus wurden 1.000 Personen im Zeitraum vom 23.02. bis 25.02.2015 repräsentativ befragt.

Foto: isoimages/Demotix/Press Association Images

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